20
Mai
2007

Von Untergang zu Untergang

Pünktlich zum letztjährigen Weltuntergang, am 19. Mai 2006, wurde dieses Postamt eröffnet mit pituffikschen Eiswürfeln in timbuktischem Bier. Nun ereilte mich eine Attacke unbotmässiger Eitelkeit, und ich habe die Beiträge eines Jahres und eines Tages zu einer "least bad of-compilation" zusammengefasst, mit ein paar anderen im Netz verscherbelten Texten vermengt, in den Copy Shop geschleppt und in Print materialisiert. Eigentlich wollte ich 200 Stück auf edlem Papier in Farbe drucken und diese dann heinzelmännchenartig irgendwo in der Gegend aussetzen, ganz im Sinne der Ästhetik des Nutzlosen. Aber ich hatte mich vertan... Ein Vermögen habe ich verlocht für 25 schnoddrig spiralgebudene, schief geschnittene, zur Unkenntlichkeit geschwarzweisste billigstpapierne Bändchen. Dabei hatte ich doch nur wissen wollen, ob "es" gut in der Hand läge, das "eigene Buch". Mist aber auch! Ein Schuss in den Ofen. Die 25 verschenke ich also an Zeitgenossen, denen ich zu Dank verpflichtet bin, oder ich verkaufe sie an Dumme. Und um denen wenigstens einen theoretischen "Mehrwert" (dass ich so ein Wort in die Tastatur kleistere...) zu bieten, mache ich jetzt hier Tabula rasa und fange von vorne an. Bleibt zu hoffen, dass ich nächstes Jahr schlauer bin. Schildkröte und Kamel bleiben uns selbstverständlich erhalten.

(Bisherige Rubriken bleiben auch erhalten - ich muss sie nur offenbar neu basteln).

Nachtrag 9.9.07: Die zwischen 19.5.06 und 20.5.07 entstandenen Texte sind nun wieder aufgeschaltet, da ich es nicht übers Herz brachte, die Printversion tatsächlich zu verkaufen. Der Vollständigkeit halber: ein Büchlein habe ich gegen ein paar Hosen eingetauscht, das kommt meiner Vorstellung des Gebens & Nehmens sehr nahe. Jemand, der meine Situation kennt, hat mir gegen meinen Willen Geld überwiesen, aber das Mitleid war nicht böse gemeint. Und ein Unbekannter hat ein Exemplar gegen Rechnung bestellt. Sollte er nicht unbekannt bleiben, werde ich ihn zumindest auf einen Kaffee einladen.

5XII Kann nicht anders VII

Wer wagt, verzagt halt später und den Mutigen gehört das Unerhörte, mit dem sie dann verdammtnochmal sich arrangieren müssen. Ich habe gestern beschlossen, nie wieder mutig zu sein, aber von vorn:
Nicht Deiner Einladung bin ich diesmal gefolgt, sondern derjenigen der arabischen Gäste. Immerhin waren sie weiter gereist, jedenfalls jetzt und in diesem Kontext. Die Stadt ein lichtgetränktes Nachher, als hätte man nicht mehr lange zu leben gehabt und es nicht bemerkt. Führe mich zu deinem Meister, sagte ich zum Steinmännchen in der Tasche, aber da war kein Morseklicken zu hören und ich dachte trotzdem, dass man an so einem Abend aus so einem Museum eigentlich nicht abreisen könne, wer weiss!
Es wurde viel gelacht, geliebt und Angst gehabt im Orient, derweil hatte ich Dich frohgemut aufgegeben, doch als ich westwärts aus dem Stadttor trat, sassest davor: Du!
Nun, so kann das doch nicht weitergehen, dachte ich und bereute es bereits, und den Rest kennst Du ja, da er Dein Part war. Das ist schon hart, weisst Du. Aber auch wahrscheinlich nach Gauss. Ich kann mich nie entscheiden, ob ich nüchterne Menschen bewundere oder beneide. Ich mag sie, was seltsam ist, weil man sonst diejenigen nicht mag, die so sind, wie man selbst gern wäre.
Und jetzt?! Ist die Blase geplatzt, und wenn ja, warum ziehen sich meine Mundwinkel doch andauernd nach oben seither, warum belustigt mich die Katastrophe, die ich doch seit Jahren so gefürchtet habe? Warum bin ich auf freundliche Weise traurig und nicht ausschliesslich traurig? Und kein bisschen beleidigt, verstört, nur ein bisschen erschrocken?
Vielleicht, weil ich jetzt gar nicht mehr weiss. Ob Du mich nun in die Wüste geschickt hast oder nicht und was das bei Dir überhaupt bedeuten würde. Und weil ich nun ewig rätseln werde, wo diese Insel liegt auf die der Pfeil von mir aus weist, oder ob Du vielleicht aus Gewohnheit mit Inseln um Dich wirfst (nein, es handelt sich doch eher um ein Binnengebiet). Ich kann Dich ja nächstes Mal fragen, gell? Wenigstens das dürfte kein Problem mehr sein, hahaaa! Bühnenreif (ich natürlich, Du: ganz Du, haaaaach, wie gern wär ich Du!).
Pituffik

Notizen aus Kangerlussuaq

Das Postamt, der Atlas, die Seekarten.

Tritt ein, lieber Gast, der Hund ist tot. (Aber den Wein musst Du bringen.)

Du bist nicht angemeldet.

Zugehör

Anlaufstelle für Dichter und Mäzene:

U. T. Rossel Escalante Sánchez clandestin0 primatenschwanz mixmail.com (Das vermeintliche O ist eigentlich eine 0, ein vedisches K0sm0s-Ei.)

*****

Auf dem Nachttisch

In der Post wühlen:

 

Hohler Stein steht den Tropfen.

Online seit 776 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 3. Jul, 15:15

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