21
Apr
2008

Dachbodenfund II

Alexander von Gemerligt*

Jugend: Dass Ich überhaupt aufgewachsen bin, ist schon ein Wunder. Und dass Ich Alexander heisse, ist nicht minder seltsam, denn der Vater wollte mich Babuschka nennen. Aber bei uns liegt es in der Familie, dass immer die Frauen die Hosen anhaben. Ich habe übrigens seit je her eine grosse Selbstachtung, denn schon als Baby schrieb Ich "Ich" gross.

Berufsleben: Ich bin Klapsmühlendirektor und staatlich diplomierter Psychiater in Münsingen geworden, nachdem ein Versuch, Bürgermeister zu werden, gescheitert war. Ansonsten fühle Ich mich hier in Münsingen sehr wohl, Ich glaube, Ich gehöre hier hin**.

Privat: Der grösste Missgriff den Ich je getan habe war, meine Frau Hyppolita zu heiraten. Sie stammt aus dem alten Griechenland. Zum ersten Mal sah Ich sie im Katakombenmuseum in Sizilien. Es war wirklich (leider!) Liebe auf den ersten Blick. Heute ist sie Direktorin des Frauengefängnisses in Hindelbank. Man merkt heute sehr viel von der Emanzipation, schon Gefängnisinsassin können die Frauen werden. Die Berufsmöglichkeiten für Frauen sollten endlich eingeschränkt werden.
Wir haben zusammen 14,5 Kinder und ein Walross. 14 davon sind Adoptivkinder; unser einzig eigenes Kind ist leider nur eine halbe Portion (das kommt von den Chromosomen väterlicherseits). Dafür ist das Walross anderthalbe Portion, das gleicht sich aus (das ist übrigens meine Frau).

Hobbys: Ich spiele Polo und Golf und zeichne Van-Gogh-Werke ab. An Weihnachten und Ostern spielen Hyppolita und Ich auch die vielgerühmten Verfolgungsjagden, die wir übers Jahr unseren Kindern vorenthalten.

1989

*Merligen ist ein Kaff am Thunersee. "gmerliget" (verhochdeutscht "gemerligt") heisst in der Umgangssprache so viel wie "gemogelt", jedenfalls ungefähr. Ob ein Zusammenhang zum Kaff besteht, ist mir nicht bekannt.

**In Münsingen befindet sich eine Irrenanstalt von Weltruf. Wenn die Einheimischen "Münsingen" sagen, meinen sie meist nicht das Dorf, sondern die Anstalt.

Dachbodenfund I

Das MODELL

I. Was ist "das Modell"?

Die Menschen sind nicht anders als damals, als Karl Marx und Friedrich Engels das Kommunistische Manifest herausgaben. Weil wir Menschen eben Menschen sind, war der Kommunismus von allem Anfang an zum Scheitern verurteilt. Aus demselben Grund wird mein "Modell", das lediglich der Versuch ist, meine Gedankengänge über den Menschen, dessen Wesen und Zusammenleben sowie seine Beziehung zur Umwelt auf dem Papier zusammenzufassen, genauso Schiffbruch erleiden. Vorläufig soll noch kein Mensch etwas erfahren von der Existenz dieser Schrift, denn sie soll unverfälscht meine Person wiederspiegeln. Vielleicht wird sie auch auf immer mein kleines Geheimnis bleiben, denn falls das Werk überhaupt jemals fertig wird, weiss ich beim besten Willen nicht, was ich damit machen sollte oder an wen ich mich mit meinen hirnverbrannten Ideen wenden könnte.
Das Modell ist langsam gereift in meinem lebhaften Geist, nachdem schon einige Jahre Gedanken in dieser Richtung in mir aufgekeimt waren. In welcher Weise ich das alles in Worte fassen könnte, war eine Frage, die mich lange quälte. Endlich wurde sie (...) durch einen plötzlichen Geistesblitz beantwortet. Der Geburtstag des Modells fiel auf den Donnerstag, 6. Juni 1991.
Einen Tag später begann ich mit der Arbeit und werde sie bis auf unbestimmte Zeit nach Lust und Laune weiterführen.
Gezeichnet am 7. Juni 1991 (...): die Verfasserin.

(Frage an mein früheres Selbst: Was wolltest du damit sagen?!
Ob nie wieder Lust und Laune aufkam oder ob der Rest des Manuskripts verlorenging, ist nicht zu rekonstruieren; ersteres ist wahrscheinlicher.)
Pituffik

Notizen aus Kangerlussuaq

Das Postamt, der Atlas, die Seekarten.

Tritt ein, lieber Gast, der Hund ist tot. (Aber den Wein musst Du bringen.)

Du bist nicht angemeldet.

Zugehör

Anlaufstelle für Dichter und Mäzene:

U. T. Rossel Escalante Sánchez clandestin0 primatenschwanz mixmail.com (Das vermeintliche O ist eigentlich eine 0, ein vedisches K0sm0s-Ei.)

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...
... wunderbar! Würde vielleicht, darf ich Dir...
louis (anonym) - 22. Mai, 18:28
Italienisches Flughafencafé,...
Älteres US-amerikanisches Ehepaar, so fein gekleidet,...
La Tortuga - 22. Mai, 16:30

*****

Auf dem Nachttisch


Vincent Virga and The Library of Congress
Cartographia: Mapping Civilizations




Janet Frame
Faces in the Water




Julio Cortázar
Rayuela

In der Post wühlen:

 

Hohler Stein steht den Tropfen.

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Zuletzt aktualisiert: 22. Mai, 18:28

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