Wie der Schatz aus der Kloake des Regenbogens tropft, wo man ihn nicht findet und was böse Menschen darüber sagen
Man findet die Regenbogenschüsselchen beim Pflügen oder nach heftigen Regengüssen, weil sie aus und in den Regenbögen, und zwar an demjenigen Orte, wo sie sich auf die Erde zu stützen scheinen, gezeugt werden. Paracelsus hat diese vage Erklärung wissenschaftlich präzisiert: die Schüsselchen entstehen in dem Augenblick, in dem sich Sonne und Regenbogen vermischen, und danach fallen die Münzen vom Himmel herab. Ein weiterer Beweis findet sich im Grimmschen Märchen "Sterntaler" (... es ist ein besonderes Glück, in der Nacht einen Regenbogen zu beobachten!). Regenbogenschüsselchen haben, müssig, es zu sagen, magische Kräfte. Sie können Krankheiten heilen und Schmerzen lindern.

Natürlich wurde in neuerer Zeit rücksichtslos und dogmatisch profaniert. 1714 schrieb der Gelehrte Michael Bernhard Valentini in "Museum Museorum, oder Vollständige Schau Bühne aller Materialien und Specereien", dass es mit den Schüsselchen eine andere Bewandtnis haben müsse, weil der Regenbogen überall auf der Welt auftrete, während nur in Europa, fast ausschliesslich in Deutschland, Sterntaler gefunden würden. Ausserdem stehe der Regenbogen je nach Betrachter in verschiedenen Winkeln, deshalb müssten überall solche Schätze liegen.
Diesen Scharlatan zu widerlegen, kostet mich ja kein müdes Synapsenzucken: erstens ist die Glaubwürdigkeit eines Wissenschaftlers, der das Wort "vollständig" in einem Werktitel verwendet, von Vornherein aufs Gröbste anzuzweifeln. Zweitens ist meines Wissens nicht bewiesen, dass überall auf der Erde Regenbögen auftreten (... in Höhlen? ... im mittlersten Punkt der Sahara? ... auf dem Meeresgrund? ... in der Innerantarktis?). Drittens wissen wir nicht, wer sonst noch Regenbogenschätze gefunden hat und wo, es ist ja besonders typisch für uns in Mitteleuropa (und eigentlich nur für uns), jeden aufgefundenen Hundsschiss den Behörden zu melden, von einem Schatz nicht zu reden. Viertens, - und das ist das schlagendste Argument, mit dem man Heerscharen von Wissenschaftlern sämtlicher Fachgebiete demontieren kann -, viertens also ist nicht überall tatsächlich nichts, wo man bisher nichts gefunden hat oder auch später nichts finden wird. Ganz im Gegenteil.
Zusatz zu zweitens und drittens: der Mann macht ohnehin nicht den Eindruck, als wäre er weit herumgekommen, aber ich will jetzt nicht so unsachlich werden wie er selbst.
Als Kind dachte ich, dass der Schatz am Ende des Regenbogens früher einmal von jemandem versteckt worden war, und dass ihn der inzwischen verstorbene (unrechtmässige, romantische) Besitzer deshalb unter dem Regenbogen eingrub, damit er sein Gold später wiederfände. Zudem, aber das ist ein Detail, zerbrach ich mir den Kopf darüber, wie man herausfinden könnte, welches Ende des Regenbogens das Ende ist und nicht etwa der Anfang - dass an Regenbogenanfängen keine Taler liegen, hätte mich eigentlich darauf bringen müssen, dass diese Exkremente oder Sekrete der Regenbögen selbst sind (ich war ein einfältiges Kind ...). Die ehemaligen Schatzbesitzer wären, will man den aktuellsten Forschungen glauben, keltische Söldner gewesen, die unter anderen Kriegsherren auch Alexander dienten und mit griechischem Geld aus kleinasiatischem Gold bezahlt wurden. Daraus folgt zumindest, dass es in Kleinasien fruchtbare Regenbögen gab (die von den Griechen gemolken wurden), was den Herrn Valentini wohl fuxen mag.
Quelle (wobei ich die Interpretation etwas umrüsten musste): Michael Wachtler & Georg Kandutsch: Goldgrube Alpen - Sammler, Sucher, Schatzgräber. Ein herzblütiges, querstgedachtes, üppig bebildertes Träumer-& Abenteurer-Buch. Der Verlag scheint auf Lektorat und Korrektorat zu verzichten, viel Druckgefehle, viieeeel Pathos (Stufe: 12+, Art: Naturdokumentarfilm), dafür auch von sonst allem viel viel viel! Bunteste Nagelfluh, Therapie für Pedanten (die auch mir guttut).

Natürlich wurde in neuerer Zeit rücksichtslos und dogmatisch profaniert. 1714 schrieb der Gelehrte Michael Bernhard Valentini in "Museum Museorum, oder Vollständige Schau Bühne aller Materialien und Specereien", dass es mit den Schüsselchen eine andere Bewandtnis haben müsse, weil der Regenbogen überall auf der Welt auftrete, während nur in Europa, fast ausschliesslich in Deutschland, Sterntaler gefunden würden. Ausserdem stehe der Regenbogen je nach Betrachter in verschiedenen Winkeln, deshalb müssten überall solche Schätze liegen.
Diesen Scharlatan zu widerlegen, kostet mich ja kein müdes Synapsenzucken: erstens ist die Glaubwürdigkeit eines Wissenschaftlers, der das Wort "vollständig" in einem Werktitel verwendet, von Vornherein aufs Gröbste anzuzweifeln. Zweitens ist meines Wissens nicht bewiesen, dass überall auf der Erde Regenbögen auftreten (... in Höhlen? ... im mittlersten Punkt der Sahara? ... auf dem Meeresgrund? ... in der Innerantarktis?). Drittens wissen wir nicht, wer sonst noch Regenbogenschätze gefunden hat und wo, es ist ja besonders typisch für uns in Mitteleuropa (und eigentlich nur für uns), jeden aufgefundenen Hundsschiss den Behörden zu melden, von einem Schatz nicht zu reden. Viertens, - und das ist das schlagendste Argument, mit dem man Heerscharen von Wissenschaftlern sämtlicher Fachgebiete demontieren kann -, viertens also ist nicht überall tatsächlich nichts, wo man bisher nichts gefunden hat oder auch später nichts finden wird. Ganz im Gegenteil.
Zusatz zu zweitens und drittens: der Mann macht ohnehin nicht den Eindruck, als wäre er weit herumgekommen, aber ich will jetzt nicht so unsachlich werden wie er selbst.
Als Kind dachte ich, dass der Schatz am Ende des Regenbogens früher einmal von jemandem versteckt worden war, und dass ihn der inzwischen verstorbene (unrechtmässige, romantische) Besitzer deshalb unter dem Regenbogen eingrub, damit er sein Gold später wiederfände. Zudem, aber das ist ein Detail, zerbrach ich mir den Kopf darüber, wie man herausfinden könnte, welches Ende des Regenbogens das Ende ist und nicht etwa der Anfang - dass an Regenbogenanfängen keine Taler liegen, hätte mich eigentlich darauf bringen müssen, dass diese Exkremente oder Sekrete der Regenbögen selbst sind (ich war ein einfältiges Kind ...). Die ehemaligen Schatzbesitzer wären, will man den aktuellsten Forschungen glauben, keltische Söldner gewesen, die unter anderen Kriegsherren auch Alexander dienten und mit griechischem Geld aus kleinasiatischem Gold bezahlt wurden. Daraus folgt zumindest, dass es in Kleinasien fruchtbare Regenbögen gab (die von den Griechen gemolken wurden), was den Herrn Valentini wohl fuxen mag.
Quelle (wobei ich die Interpretation etwas umrüsten musste): Michael Wachtler & Georg Kandutsch: Goldgrube Alpen - Sammler, Sucher, Schatzgräber. Ein herzblütiges, querstgedachtes, üppig bebildertes Träumer-& Abenteurer-Buch. Der Verlag scheint auf Lektorat und Korrektorat zu verzichten, viel Druckgefehle, viieeeel Pathos (Stufe: 12+, Art: Naturdokumentarfilm), dafür auch von sonst allem viel viel viel! Bunteste Nagelfluh, Therapie für Pedanten (die auch mir guttut).
La Tortuga - 20. Jun, 18:12


