<?xml version="1.0" encoding="UTF-8" standalone="yes"?>
<?xml-stylesheet href="http://jequetepeque.twoday.net/rss2html.xsl" type="text/xsl"?>
<rdf:RDF 
  xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" 
  xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
  xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
  xmlns:cc="http://web.resource.org/cc/"
  xmlns="http://purl.org/rss/1.0/"
> 

  <channel rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/">
    <title>Notizen aus Kangerlussuaq (Das Postamt, der Atlas, die Seekarten.)</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/</link>
    <description>Das Postamt, der Atlas, die Seekarten.</description>
    <dc:publisher>La Tortuga</dc:publisher>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:date>2009-11-06T19:39:48Z</dc:date>
    <dc:language>en</dc:language>
    <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
    <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
    <sy:updateBase>2000-01-01T00:00:00Z</sy:updateBase>
    
    <image rdf:resource="http://static.twoday.net/icon.gif" />
    <items>
      <rdf:Seq>
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/6028146/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/6023228/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/6020771/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/6012114/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/6009072/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/6004730/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/6002605/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5997784/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5992711/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5989476/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5986796/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5985841/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5981348/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5978414/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5973809/" />

      </rdf:Seq>
    </items>
  </channel>

  <image rdf:about="http://static.twoday.net/icon.gif">
    <title>Notizen aus Kangerlussuaq</title>
    <url>http://static.twoday.net/icon.gif</url>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/</link>
  </image>

  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/6028146/">
    <title>Märchen zum Geburtstag</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/6028146/</link>
    <description>Eine (professionelle!) Märchenerzählerin kam in die Stadt, um Erwachsenen &quot;Märchen für Erwachsene&quot; zu erzählen und anschliessend besorgten Eltern Auskunft zu geben über quälende Fragen (Sind denn Märchen noch zeitgemäss? Fürchten sich Kinder nicht vor Märchen?). Ja, Märchen sind aktueller denn je. Nein, Kinder fürchten sich nie vor Märchen. Märchen für Kinder müssen ein Happy End haben. Märchen für Erwachsene dürfen ohne Happy End ausgehen. - Ich war nicht selbst dabei. Ich gebe hier nur wieder, was ein Journalist über den Anlass schrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann machte die Zeitung noch eine Strassenumfrage: Welches ist Ihr Lieblings-Märchen? (Ich kürze die Zitate.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Junge Frau: &quot;Aschenputtel fand ich zum Beispiel toll. Im Aschenputtel-Film tragen alle so schöne Kleider.&quot;&lt;br /&gt;
Mann mittleren Alters: &quot;Vielleicht Rössli Hü.&quot;&lt;br /&gt;
Ältere Frau: &quot;Als Kind gefiel mir Aschenputtel sehr gut. Über dieses Mädchen wurde auch ein schöner Film gedreht.&quot;&lt;br /&gt;
Junger Mann: &quot;Peter Pan gefiel mir als Kind am besten. Dieses Märchen wurde von Walt Disney auch verfilmt. Den Film sehe ich mir heute noch gerne an.&quot;&lt;br /&gt;
Frau mittleren Alters: &quot;Max und Moritz haben mich immer fasziniert.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zufälligerweise las ich gestern eine literaturwissenschaftliche Abhandlung, in der Michael Endes &quot;Theorie&quot; demontiert wird, dass die Grenzziehung zwischen Phantastik und Realismus künstlich und obsolet sei (es ist ja nicht eigentlich eine kopfgeborene Theorie, sondern Einsicht und Erfahrung). Es wird dann akribisch sortiert nach &quot;Fiktionalität&quot;, &quot;Phantastie&quot;, &quot;Phantastischem&quot; und &quot;Fantastik&quot; (man beachte auch die Ph- bzw. F-Schreibung). Die Philosophen liefern beispielsweise die exakte Definition für &quot;Phantasie&quot;, okay, auf irgendwas muss man sich einigen (obwohl Kant vielleicht nicht grade der einzige ist, der eine solche Definition formuliert hat), und überhaupt, schon klar, dass die Literaturwissenschaftler sowas tun müssen. Sie leben schliesslich von ihren Kategorien. Es wird sogar die bange Frage gestellt, ob es nicht wichtig wäre, die Kinder ganz früh an die &quot;exstentiellen Probleme der Realität&quot; heranzuführen anstatt sie mit Geschichten zuzumüllen. Ja  ja, Literaturwissenschaftler müssen das tun. Und Pädagogen und Diktatoren und Wirtschaftsführer. Ich gebe zu, dass ich die Abhandlung nicht fertiggelesen habe (ich glaub es ist ein ganzes Buch). Ich möchte aber mal fragen, ob es nicht vielleicht &quot;ein existentielles Problem der Realität&quot; ist, dass ... (ich führs jetzt nicht aus. Jeder, der Kangerlussuaq kennt, hats schon 100x gehört). Und ein grosses Problem ist, das würden doch wohl auch die Literaturwissenschaftler zugeben, dass keiner mehr weiss, was ein Märchen ist, und dass Disney die &quot;Auslegung&quot; (wenn man das so nennen darf) für sich gepachtet hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Aussagen der Umgefragten sei noch ergänzt:&lt;br /&gt;
&quot;Rössli Hü&quot; ist eines der schönsten Geschichten überhaupt. Ohne Rössli Hü wäre ich vielleicht so &lt;i&gt;erwachsen&lt;/i&gt; geworden wie professionelle Märchenerzählerinnen oder Literaturwissenschaftler (hahaa! ich hör mir die &lt;i&gt;Kassetten&lt;/i&gt; heute noch an!).&lt;br /&gt;
Der Peter-Pan-Freund sagte ausserdem: &quot;Wenn ich mal Kinder habe, werde ich ihnen Geschichten vorlesen.&quot; - Das ist einer der Wenigen, dem man die Lizenz zur Fortpflanzung erteilen darf. Sofern er sich daran hält. Sofern er den Kindern beim Gutenachtkuss nicht sagt, das seien &quot;&lt;i&gt;nur &lt;/i&gt; Geschichten&quot;. Sofern er nicht nur den Kindern vorliest. Auch die Unterscheidung zwischen &quot;Kind&quot; und &quot;Erwachsener&quot; ist künstlich und obsolet. Menschen sind doch Menschen, wir haben nur nicht alle am selben Tag Geburtstag.</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Sorgenbriefkasten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-05T10:43:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/6023228/">
    <title>Witwe werden</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/6023228/</link>
    <description>Mein Nimbus schillert noch nicht bunt genug. Der reicht keine 3x um die Hüfte herum. Deshalb will ich (unter anderem) Witwe werden. Es soll aber niemand zu diesem einzigen Zwecke zu Tode kommen. Über Leichen gehen - denn das gehört zum Nimbus - kann ich ja trotzdem: ich werde einen Toten heiraten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Fragen an die Justiz:&lt;/i&gt; das geht recht unkompliziert, oder? Muss der Bräutigam persönlich auf dem Zivilstandsamt erscheinen? Kann allenfalls ein gesetzlicher Vertreter (z.B. sein Urururenkel) an seiner Statt unterschreiben? Ist der Bräutigam rechtlich gesehen Witwer und somit wieder heiratsfähig, obwohl seine ebenfalls tote erste Ehefrau nach ihm gestorben ist? Wie bekomme ich mein Erbteil von den bisherigen Erben (z.B. Urururenkeln) zurück? Erhalte ich durch die Heirat automatisch seine Staatsbürgerschaft?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Fragen des Benimm:&lt;/i&gt; die Sympathie ist zweifellos gegenseitig; aber in seinem Zeitalter ist es bestimmt ein no-go, dass die Frau den Antrag macht. ... Soll ich trotzdem?! (Ich fürchte drum, dass &lt;i&gt;ihm&lt;/i&gt; die Idee noch nicht gekommen ist; soll ich denn ewig warten?) Muss ich den Bräutigam wirklich küssen? Wo schaufle ich unauffällig sein Stück Hochzeitstorte hin?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Weitere Fragen an die Justiz:&lt;/i&gt; Ist seine erste Ehefrau mir wieder gleichgestellt, sobald ich sterbe? Wird unser Gemahl dann zum illegalen Bigamisten? Dürfen wir ihn im Gefängnis besuchen? Kann ich mich notfalls (lebend oder tot) von einem Toten scheiden lassen? Kann ich, wenn ich tot bin, einen Lebenden heiraten?</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Postalberatung</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-02T14:06:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/6020771/">
    <title>Die Dimensionen der Hölle</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/6020771/</link>
    <description>Franciscus Ribera, &lt;i&gt;in cap. 14 Apocalyps.&lt;/i&gt;, will have hell a material and local fire in the centre of the earth, 200 Italian miles* in diameter, as he defines it out of those words, &lt;i&gt;Exivit sanguis de terra . . . per stadia mille sexcenta&lt;/i&gt; [blood came out of the earth for 1,600 furlongs**], etc. But Lessius, &lt;i&gt;lib. 13 de moribus divinis, cap. 24&lt;/i&gt;, will have this local hell far less, one Dutch mile*** in diameter, all filled with fire and brimstone; because, as he there demonstrates, that space, cubically multiplied, will make a sphere able to hold 800,000 millions of damned bodies (allowing each body six foot square****), which will abundantly suffice; &lt;i&gt;cum certum sit, inquit, facta subductione, non futuros centies mille milliones damnandorum&lt;/i&gt; [since it is beyond question that, after proper substraction is made, there will not be 100,000 millions damned].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Robert Burton: The Anatomy of Melancholy, Second Partition (The Cure of Melancholy) - Air rectified. With a digression of the Air&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sternchen von mir eingefügt. Damit man sich das mal vorstellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* italienische Meile: ca. 1,85 km (x 200: Höllendurchmesser 370 km)&lt;br /&gt;
**furlong: &quot;Furchenlänge&quot;, 201,17 m (x 1&apos;600: fast 322 km lange blutende Erdwunde)&lt;br /&gt;
*** holländische Meile: ca. 5,84 km (knapp 6x mein Schulweg als Höllendurchmesser)&lt;br /&gt;
**** Quadratfuss: ca. 0,09 qm (6 Quadratfuss: etwas mehr als ein halber Quadratmeter für jeden verdammten Körper)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;claustrophobia!!!&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Fremdefedern</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-31T18:08:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/6012114/">
    <title>Die frohe Botschaft:</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/6012114/</link>
    <description>DAS HIGGS-BOSON IST GEFUNDEN!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es rollte schon die ganze Zeit unter meinem Bett herum. Und ich dachte, ich hätte bloss einen Poltergeist zu Gast.&lt;br /&gt;
Jetzt verrate ich natürlich keinem, wie das Teil aussieht und was es so den lieben langen Tag macht (nicht zu reden von der Nacht!). Derweil erpresse ich vom CERN Lösegeld. Oder präziser - da es denen ja gar nicht entlaufen, sondern mir aus freien Stücken zugekullert ist - ich verhandle über die Bedingungen der Auslieferung. Ich bin eine gemachte Frau! Erst noch eine mit Nobelpreis für Physik.</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Botendämmerung</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-26T19:09:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/6009072/">
    <title>Der Weg ist der Weg.</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/6009072/</link>
    <description>Wege sind notwendige Übel. Mit irgendwas muss man halt die knappe Zeit um die Ecke bringen. Ziele sind was für Anfänger. Welcher Frust, wenn man nie ankommt, und welche vermaledeite Depression wenn doch. Ziele, die man gar nicht erst erreichen will - denn nichts anderes propagiert ja die abgedroschene hochexoterische Binsenlüge - sind was für Komplettdeppen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Intensive Trotzphase gegen hohle Sprüche, die man einfach nicht mehr hören kann. Offenbar ist die Zermürbung der Weg und der Ekel das längst erreichte Ziel.)</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Sorgenbriefkasten</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-24T17:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/6004730/">
    <title>Extremes Altern ohne anti-ageing</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/6004730/</link>
    <description>Vor einer Weile eins dieser Gespräche, die noch lange nachhallen: mein Vater und ich waren uns einig, dass Unsterblichkeit zwar unerträglich wäre, aber dass ein paar hundert Jahre Lebensspanne doch angemessener wären angesichts der Unmenge Wissens, die man sich aneignen und dann auch geniessen möchte.&lt;br /&gt;
Aber stell dir vor, gab mein Vater zu bedenken, diese Nekrose würde im selben Tempo fortschreiten wie jetzt in unseren Leben! Wie sähe ich denn mit 300 Jahren aus!, ich würde mich furchtbar schämen, wenn du mich besuchst.&lt;br /&gt;
Du könntest einen Wandschirm aufstellen, durch den wir halt reden würden, wenn du mir den Anblick nicht zumuten magst, sagte ich. Doch dann fiel mir siedend heiss ein: ich sähe ja bis dahin genauso übel aus wie du, denn ich wäre selbst schon an die 270!&lt;br /&gt;
Eigenartig, wie wir mit der Zeit die eigenen Eltern einholen, ja fast überholen. Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass diese Zeit noch zigfach &lt;i&gt;relativer&lt;/i&gt; ist, als wir sie uns vorstellen. Je älter wir werden, umso schneller scheint uns die Zeit zu verfliegen (es könnte sein, dass es nicht nur so scheint), jeder über 18 bestätigt das. Das Kindindividuum nimmt mit zunehmendem eigenen Tempo die Zeit der Elternindividuen langsamer wahr (vielleicht ist sie langsamer); die &lt;a href=&quot;http://jequetepeque.twoday.net/stories/5120897/&quot;&gt;Zeit passt sich wie Gummi&lt;/a&gt; dem subjektiven wie dem &quot;objektiven&quot; (Vorsicht, das ist nicht!) Beobachtungspunkt an. Wobei ein Beobachter, dessen Existenz per definitionem eine objektive Perspektive voraussetzt, nur ein Hilfskonstrukt ist. Die Zeit wirft, wenn überhaupt, &lt;i&gt;in&lt;/i&gt; uns Blasen. Oder rund um uns, als Zeitaura, oder zwischen mehreren von uns wie ein Pingpongturnier. Wir können sie bestenfalls so biased wahrnehmen wie die Gase im Gedärm. Nur die Messung der Zeit tickt immer und für alle gleich schnell, oder besser, die zerfallenden Atömchen. Die Zeit selbst hat gar keine Geschwindigkeit. Sie ist mehr so ein Fluidum (oder eben eine Blähung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Addendum&lt;/b&gt;, ein herziger Witz: stehen der 121-jährige Vater und die 119-jährige Mutter am offenen Grab ihres soeben verstorbenen 93-jährigen Sohnes. Flüstert der Vater unter Tränen: &quot;Der Junge war von Anfang an ein Kümmer, ich hab dir doch gleich gesagt, dass wir ihn nicht durchbringen!&quot;</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Nachtexpress</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-21T20:16:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/6002605/">
    <title>Früchteschale</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/6002605/</link>
    <description>In den letzten Tagen rückte ich zum Flanieren irgendwie mit einer anderen Haltung aus als sonst, ich weiss nicht wie und warum. Ich nahm die Form einer offenen Schale an und wurde wie durch Zauberei reichlich mit Geschichtengeschenken gefüllt. Bemerkenswerte Zeitgenossen, die ich traf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine mit allen Wassern vieler Jahre gewaschene Ladendetektivin. Sie verriet mir bei einem Glas Prosecco sämtliche Schliche, die der Diebe wie die der Detektive. Beinah hätte sie mir noch die Narben der Handgemenge gezeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Logistiker, der alles über das Hoch- und Tief- und das Stapeln im Allgemeinen und überhaupt weiss. Mit einem Blick aus intelligentesten Augen und einem Lächeln auf cleverem Mund teilte er mir mit, dass er in seinem Land sehr lange studiert hat, um nun hierzulande einfach ... zu stapeln. &quot;Nur&quot; kann man aber bei seiner Arbeitsweise nicht sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Pilger aus einem französischen Fischerdorf, der mir nicht kohärent zu erzählen wusste, was er eigentlich vertritt. Es ging um ein zutiefst existentialistisches und annähernd marxistisches Weltbild auf der Basis des Christentums, Judentums und des Islam, glaube ich, aber ohne eine Religion zu sein (Religion sei so verlogen wie Politik). Von einem brennenden Dornbusch so gross wie ein brennender Urwald. Jesus sei nicht Gott, sondern Mensch und Prophet genau wie Muhammad, die Kreuzigung eine Folterhinrichtung, die man nicht mit verklärenden Bedeutungen aufladen und somit verharmlosen dürfe, die heilige 3faltigkeit existiere nicht, es gehe einzig darum, &lt;i&gt;gütig&lt;/i&gt; zu sein. Er hielt das Buch, das er weder verkaufen noch pentrant gratis aufdrängen wollte (bei Interesse in der Buchhandlung bestellen, sagte er), verkehrt herum, so dass ich den Titel gar nicht sah. Ich musste nichts kaufen, nichts glauben (glauben sei schädlich für den Geist des freien Menschen), nicht beten (beten nütze nichts, denn der Vater denke nicht daran, den Karsumpel aufzuräumen, den seine Kinder ganz allein veranstalten, handeln müsse man, nicht beten). Vielmehr schenkte  er mir franko eine wilde Geschichte und ein Weilchen Windschutz. Ich fühlte mich gerade kalt und elend und allein und allso von ihm gerettet für wertvolle Augenblicke, und nachher, als er sich zuerst verabschiedete, geradezu ausgesetzt. Nie war ein Missionar unaufdringlicher. Er ist ja auch ein Pilger, kein Missionar. Hätte seinem warmen Akzent noch lange zuhören mögen; frage mich, ob ihm klar ist, dass er genau das in Vollendung ist: &lt;i&gt;gütig&lt;/i&gt;. (Wenn er das doch jetzt lesen würde!)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Spaziergänger, der im Walde stundenlang vom Blitz gefällte Bäume von allen Seiten betrachtet und Horrorszenarien entwirft, wenn diese Blitze in die Stadt umgeleitet würden undsoweiter, man stelle sich mal vor!, und andere Spaziergänger grosszügig mit wohligem Gruseln versorgt, selbst solche wie mich, die sich nun gar nicht vor Gewittern fürchten, sondern sie im Gegenteil herbeisehnen (man sollte jedoch, wenn sie kommen, keinen BH mit Metallbügel tragen, aber die gehen in der Wäsche sowieso immer kaputt und im Ernst, wer braucht im Walde einen BH).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ha. Was für eine Früchteschale! Es könnte daran liegen, dass ich neue Schuhe habe, die mich häufiger und aufrechter aus der Haustür jagen. Die alten musste ich ja nach jedem Ausflug wieder zusammenkleben, also blieb ich oft lieber gleich auf dem Ofen hocken.</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Dankunsterblich</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-20T17:33:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5997784/">
    <title>Graue Schmiere</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/5997784/</link>
    <description>&lt;cite&gt;Ein terroristischer oder militärischer Anschlag mittels Nanorobotern, die ausser Kontrolle geraten und zu krankheitserregenden molekularen Strukturen, der sogenannten grauen Schmiere (grey zoo), werden könnten, hätte laut Kurzweil das Potenzial, innerhalb einiger Tage die gesamte Zivilisation zu vernichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Raymond Kurzweil in einem Interview über Nanotechnologie.&lt;br /&gt;
Quelle: &lt;a href=&quot;http://www.monde-diplomatique.de/pm/.aktaus&quot;&gt;Le Monde diplomatique 10/09&lt;/a&gt;, deutsche Ausgabe.&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Beunruhigung über diese Sci-Fi-Möglichkeiten in greifbarer Nähe ist jedenfalls mit Abstand geringer als die Begeisterung über dieses brandneue Vokabular. &lt;i&gt;Graue Schmiere, grey zoo!&lt;/i&gt; Das ist, ich bitte in aller Form um Entschuldigung für die ordinäre Ausdrucksweise, schlicht &lt;i&gt;geil&lt;/i&gt;. Ausserdem geht, unter anderen Spektakularitäten, die Rede von Antimaterie-Fallen (wie wär das wohl, da hineinzulatschen?!) oder Kleidern aus Zucker. Ja, wirklich geil!</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Botendämmerung</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-17T18:17:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5992711/">
    <title>Bitte freimachen</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/5992711/</link>
    <description>Etwas, worüber ich mich endlos wundere: dort, wo man die Briefmarke hinkleben soll, steht: &quot;Bitte freimachen&quot;. Freilich steht das nur in komischen Ländern dort, wo man die Marke hinkleben soll. Hier (womit ich nicht sage, die Schweiz sei kein komisches Land, nur anders komisch) steht: &quot;Bitte frankieren&quot;. So weiss man fadengrad, was man zu tun hat, meistens ist sogar noch ein markengrosses Rähmchen aufgedruckt (in komischen Ländern glaub nicht). Gerade habe ich wieder so eine Antwortkarte aus einem komischen Nachbarland auf dem Tisch. Diesmal werde ich die Marke nicht auf die Bitte kleben, sondern nebendran, und unter die Bitte schreiben: &quot;Darf ich die Socken anbehalten, Doc?&quot; - Dann merken die vielleicht mal, dass es komisch ist, schriftlich jemanden aufzufordern, freizumachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Addendum:&lt;/b&gt; &lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=tunvwCvu2NY&quot;&gt;Der Soundtrack zu dieser Merkwürdigkeit.&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Postalberatung</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-14T18:01:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5989476/">
    <title>Berufswunsch und Todesziel</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/5989476/</link>
    <description>Das wäre mein Traumberuf: die Leiche in Kriminalfilmen spielen. Ganz still liegen und gebrochen leer blicken kann ich besonders gut, es kostet mich nicht die geringste Anstrengung. Das mit dem Atemstillstand würde ich hinkriegen. Manchmal vergesse ich ja sogar, das Wasser runterzuschlucken, und erinnere mich erst daran, wenn nach einer halben Stunde die geblähten Backen zu schmerzen beginnen.&lt;br /&gt;
Als Kinder spielten wir neben Indianer auch oft Beerdigung. Dramatis personae: 1 Leiche, 1 Pfarrer, möglichst viele heulende Angehörige und Klageweiber. Meist wollte man mir die Pfaffenrolle anhängen, weil ich Reden schwingen konnte. Ich sah aber nicht ein, weshalb ich nicht auch als Leiche quatschen könnte und warf mich in den Sarg. Da dieser nur durch eine besonders grosse Steinplatte angedeutet war, lagen wir bald zu viert oder zu sechst darinnen. Keiner wollte predigen, niemand weinte um uns, wir wälzten uns vollzählig im geräumigen Sarg herum und prügelten uns um den (ebenfalls imaginären) Fensterplatz. Diese Beerdigung war jedesmal ein Heidenspass, mehr als Indianer eigentlich.&lt;br /&gt;
Und das ist mein Todesziel: nicht einfach so auszuschnaufen oder umzukippen oder runterzustürzen. Sondern ENTRÜCKT zu werden, wie die Helden in germanischen Sagen und die Propheten in der Bibel. Das ist ein glamouröser Einzug ins Drüben (oder Zwischen?) und für Passanten bestimmt ein unvergessliches Spektakel.</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Nachtexpress</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-12T20:38:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5986796/">
    <title>Die Physik ist falsch</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/5986796/</link>
    <description>Dass gerade die weichen Herzen brechen und nur selten die harten, wenn überhaupt, zeigt doch überdeutlich, dass mit der Physik etwas nicht stimmt. Mehr noch: dass &lt;i&gt;die Physik nicht stimmt&lt;/i&gt;. Und dennoch glauben ganze Herden von Menschen (wolllose Schafe) trotzig an die Physik. Die Sprache ist exakt, nicht die Physik. Hätte die Physik recht, würden weiche Herzen nicht gebrochen, sondern gefaltet, zerknüllt, zerrissen, zerfetzt, zertreten, eingestampft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Herz, das nicht mindestens 10x gebrochen wurde, taugt nichts; ich kann das Zitat im Notizbuch nicht wiederfinden, es stammt entweder von einem alten Griechen oder von einer ebenfalls alten anonymen Grossmutter. Mag wohl sein. Dann muss ich mich halt beeilen, um noch ins zweistellige Weh zu geraten. Oder ist es die Erinnerung, die versagt? (Aber sowas weiss man doch! Aber sowas übersteht man doch nimmer 10x!)&lt;br /&gt;
Ich meine: was ist dann erst mit dem Kopf! Ein Kopf, den man sich nicht 150tausendmilliarden Mal zerbrochen hat, taugt noch weniger als ein unversehrtes Herz! Zum Glück hält der Kopf auch ein bisschen mehr aus als das Herz.</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Nachtexpress</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-11T11:10:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5985841/">
    <title>Der Hauptverdächtige leuchtet</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/5985841/</link>
    <description>Auch das war noch!: Sie erzählte ihm von der Zeit und vom Vertrauen und vom Glück und wie alles so plötzlich neu gut geworden sei und nach vorn sperrangelweit offen (warum bloss?, so etwas erzählt man doch nicht, nicht so, nicht dann). Und dass sie nun eigentlich tot umfallen könnte. Aber nein, fall doch jetzt nicht tot um!, lachte er, so wie die Bienen lachen, wenn sie im April oder Mai erstmals ausschwärmen. Gelbe und schwarze Samtstreifen wuchsen ihr um den Bauch. Vielleicht meinte er damit: genau das, das jetzt, ist ja gerade der Anfang! (Die Geburt eines Sterns aus der Asche.) Ganz sicher meinte er damit, dass er dann die Umtriebe am Hals gehabt hätte, dass er sie als Letzter lebend gesehen hätte, dass er der Hauptverdächtige gewesen wäre. Nein, das hätte er nicht verdient, er am allerwenigsten, ihr Kronzeuge. Selbst ihr, die so oft schon nach dem Zipfel des Totenhemdchens ins Leere gegriffen hatte, wäre in diesem Augenblick das Sterben auf grauem Makkadam ungelegener gekommen als je, so wunders fein gestreift. Keine Polizei. Weit und breit. Kein Alibi. Die Zeit. Diese Zeit!</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Dankunsterblich</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-10T17:57:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5981348/">
    <title>Umwägä schufte</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/5981348/</link>
    <description>Dieser Tage ist es eine meiner Hauptaufgaben, Umwege zu schuften, mehr noch als sonst. Denn es gilt, neue Schuhe einzulaufen, ein Vergnügen, das mir die letzten paar Jahre nie vergönnt war und mich nun umso mehr fasziniert.&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Umwägä schufte&lt;/i&gt;, das ist einer dieser vielen Ausdrücke der &lt;a href=&quot;http://jequetepeque.twoday.net/stories/5420567/&quot;&gt;Grosselternzunge&lt;/a&gt;, die mich immer wieder verzaubern. Schuften als Verb bedeutet ja harte Arbeit, und zwar körperliche, es riecht nach Schweiss. Ich glaube aber, es klingt in dieser Formulierung auch der Schuft an, die Tätigkeit eines Schufts. Wer also Umwege macht (wie jämmerlich blass: &quot;Umwege machen&quot;!), der verdient sich einerseits Ehre durch redliche Arbeit und ist andererseits ein Gauner, vermutlich weil er Zeit vetrödelt, anstatt stracks am Arbeitsplatz sich einzufinden. Schon als Kind verkörperten mir die Umwege beide Aspekte: das Ruhmvolle des unerschrockenen Entdeckens; Gefahren lauerten an jeder Ecke, und mich reute weder meine Haut noch die Zeit; und zugleich der Reiz des Verbrechens, denn ja, es war ein streng geahndetes Verbrechen, zu spät in die Schule oder nach Hause zu kommen. Mein Schulweg, im Grunde nur 1km lang, war ein unendlicher Umweg, jeden Tag neu, und ich schuftete ihn mit Leidenschaft. Dann beugte ich schuldbewusst das Haupt und versteckte meinen Triumph, wenn es auf mich herabdonnerte: &quot;Hesch wider Umwägä gschuftet?&quot; - Umweg verhält sich zu Weg wie der Freibeuter zum Admiral ohne Kaperbrief. Abweg verhält sich zu Umweg wie der Pirat zum Freibeuter.&lt;br /&gt;
Ein anderes derartiges Wort (die Assoziation wird vom Schuft heraufbeschworen) ist &lt;i&gt;tüüssele&lt;/i&gt;: sehr leise gehen, schleichen. Im Gegensatz zum Schleichen aber hat das &lt;i&gt;Tüüssele&lt;/i&gt; gar nichts Perfides oder Feiges, sondern einen respekt-, ja liebevollen und womöglich auch humoristischen Unterton. Man geht auf Zehenspitzen, um einen Schläfer, den man sehr gern hat, nicht zu wecken. Ein Dieb mit Ehre im Leib schleicht durchs Haus und nimmt nur die Hälfte des Bargeldes aus der Kaffeedose mit. Vielleicht hinterlässt er zum Trost sogar einen Strauss Gänseblümchen, den er auf der taunassen Wiese gepflückt hat, bevor er das Schloss aufbrach (so vorsichtig, dass man es noch reparieren kann).&lt;br /&gt;
Und was nun die neuen Schuhe betrifft: ich verstehe einfach nicht warum, aber ohne Blasen geht es nie ab (Massnahmen: am ersten Abend mit Nadel und Faden Drainage legen; morgens Pflaster kleben, damit kein Blut im neuen Schuh ist, und dann wieder ab auf die Piste, jeden Tag, bis auf der Blase dicke Hornhaut gewachsen ist; danach will man nie wieder ohne diese Schuhe begraben werden!).&lt;br /&gt;
Noch weniger verstehe ich, dass immer nur &lt;i&gt;ein&lt;/i&gt; Fuss Blasen wirft. Jetzt stelle ich mit Entsetzen fest, dass mir ein Überbein wächst, da steht ja am verblasten Fuss ein Fersenknochen viel weiter vor als am unversehrten Fuss! Dabei ist das nur die natürliche Asymmetrie, die den ganzen Körper so subtil aus dem Ideal rückt. Eine Hypochondrie, das Überbein, wie all die fürchterlichen Tumore, die bestenfalls kommune Pickel sind. Und wie ich mich darin suhle! Das ganze Leben ein einziger geschufteter Umweg.</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Postalberatung</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-08T09:15:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5978414/">
    <title>Alles ist schöner. Und Herbst</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/5978414/</link>
    <description>Weg radelte der Prinz Schalk. Ihm kann weder der Schnupfen noch eine Zeit etwas anhaben, und der Wind wehte mir schier das angeborne Toupet landein davon an dem See, der sich aufspielte als wär er ein ausgewachsenes Meer. Er spie die Schwäne an, die ihn verrieten. Was für ein Laientheater!: auch der Himmel konnte sich nicht entscheiden, ob er nun regnen wolle oder nicht, geiferte ein bisschen und dann wieder nicht, die Stadt selbst wusste wie immer nicht auf welche Seite sich schlagen, aber das ist nicht neu. Und mein Gesicht! Ich kriegte die Mundwinkel nicht mehr auf Halbmast, sie blieben oben, beweglich, ohne einzurasten. Beinah wäre ich über eine Kreuzspinne gestolpert. Ihr Rumpf war so prallgross und orange wie ein Kürbis (wir feiern ja Herbst!), das weisse Kreuz für meinen Geschmack etwas zu barock, zu katholisch, aber ich musste trotzdem darüber streicheln. Die Spinne reichte mir zwei ihrer acht behaarten Pfoten (vorderste und zweitvorderste links) und wollte gar nicht mehr loslassen. Eine Yacht namens &quot;Neandertaler&quot; (ohne H! grrr!!) schipperte auf dem trüben Kanal an unserer interspeziellen Verständigung vorbei. Wie würde sich so ein Schiff in einer Hochseegeschichte machen ... &lt;i&gt;Die Neandertal kreuzte gegen den Wind und gewann rasch das offene Meer.&lt;/i&gt;(Sie war aber eine Motoryacht.) Später staute ein alter Mann eine Menschenmenge auf der Bahnhofstreppe, weil er an seinen Krücken, mit seinen schrumpligen Lungen, nur ganz gaaanz langsam trippeln konnte, die Eilenden wurden ranzig und ich deswegen aggressiv, wähnt Ihr Euch eigentlich sicher, Ihr, die Ihr jung seid von Beruf! Der alte Mann schwitzte und zitterte und tat mir sehr leid (ich hätte ihn umarmt, wäre ich mutig genug, bald werde ich sicher so mutig sein). Dann dachte ich an den Prinzen Schalk und an das reife Grün, das er soeben in meinem Gärtchen ausgesät hatte, und ich fragte mich (und fragte mich zugleich, wieso ich mich das nie vorher gefragt hatte): &lt;i&gt;Lach nicht! Das ist nicht lustig!&lt;/i&gt; - Warum sagt man das so oft, und warum sagt man nie: &lt;i&gt;Weine nicht! Das ist nicht traurig.&lt;/i&gt; --- &lt;i&gt;Lach ODER weine nicht! Das ist traurig!&lt;/i&gt; - &lt;i&gt;Lach nicht ODER weine! Das ist lustig!&lt;/i&gt; Alles wäre schöner als das, was man oft sagt. Und dann fiel mir noch dieser Satz ein, ich fand ihn so über alle Massen blöd, dass ich mich kurz in einem Schaufenster bespiegeln musste: &lt;i&gt;Look at me and weep!&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Der Kreuzspinne hätte ich ums Haar eine günstige Untermiete angeboten. Es ist ein drollig Wesen hier mit meinen Spinnen! Von ihnen wird bestimmt noch die Rede gehen.)</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Botendämmerung</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-06T16:50:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5973809/">
    <title>Tote Lokomotive, Holzhase, 5XII x durchschaut</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/5973809/</link>
    <description>Als ich klein war, erzählte man mir, dass es im Cockpit der Lokomotive ein Pedal gebe, auf das der Lokführer andauernd treten müsse. Denn wenn er es losliesse, würde die Notbremse ausgelöst und der Zug sofort zum Stehen kommen. Das sei notwendig, um Geisterzüge zu verhindern, da Lokführer jederzeit sterben könnten, und deshalb nenne man das Pedal: Totmannpedal. Das ergab nun alles keinen Sinn. Aber ein Zug fährt doch auf Geleisen und kann sich nicht verirren!, dachte ich. Und woran sollte ein Lokführer (den ich mir als breiten, starken Mann vorstellte) innerhalb von Sekunden sterben?, fragte ich mich, er würde es doch in jedem Fall noch bis zum nächsten Bahnhof schaffen. Bahnhöfe sind fast länger als die Schienenabschnitte dazwischen, schien es mir. Der arme Lokführer kriegt ja Wadenkärmpfe!, so mein Lamento.&lt;br /&gt;
Wie schnell Du in die Nacht verschwandest (wieder eine Gauklernacht). Das muss Deine ureigene Art des Aufbruchs sein. Irritierend, das wohl, es lässt eine kunstvoll rhythmisierte Kurve ganz unvermittelt unter die x-Achse sausen; aber so ehrlich, dieses Dein Aufbrechen (und so weit, als läge die Steppe vor Dir und hinter Dir nichts als vielleicht ein warmer Stein), dass ich nicht umhin kann, es gutzuheissen. Es war nicht so, wie Du sicher denkst: was Dir als stickstoffgefrostetes Schulterblatt vorkommen musste, war im Grunde nur eine Verlegenheitsepaulette (die goldnen Fransen hast Du wahrscheinlich nicht gesehn). Eine Abwehrabwehr auch, ohne zu wissen, ob das Not tat, blödes Sicherheitsdenken, verzeih. Aussen ist Leder, innen Porzellan. Die Chinesen sagen, ich stamme aus einem hölzernen Jahr, so bin ich Pflock; ich stamme aus einem Hasenjahr, so fliehe ich selbst den, der mir nicht übel will (stelle aber die Löffel wie verrückt!). Nie zuvor hatte ich mir gewünscht, durchschaut zu werden; ist das ein Verdienst? Weiss nicht, jedenfalls sei stolz drauf! Nicht einmal hielt ich Dir stand. Vielleicht auch drum, weil Du an der richtigen Stelle loslachtest und mich ich weiss nicht genau wie ansahst. Getroffene Hasen...&lt;br /&gt;
Wisse aber: gar nichts nehme ich zurück. Ich stehe zu allem, dessen ich mich erinnere. Nichts von dem, was ich verschenke, reut mich. Nichts davon ist mir peinlich (bis auf die eine oder andere formale Schlamperei vielleicht, oder das, was später langweilig erscheint). Es hätte nicht einmal an Mumm gefehlt (oh, ich hab schon Eier!). Bloss wäre alles platt gewesen, was ich hätte sagen können, und alles mir entfallen, was ich hätte fragen wollen. Ich weiss, dass ich blass aussehe. Es war nicht der Ort und nicht die Zeit. Und Befürchtungen, die mir itzt erst dämmern, und was davon nachher noch zu erzählen bleibt, oh und der Hasenjammer wieder, es muss Dich gar lustig dünken! Ich lache inzwischen auch, tapfer wie das Kind, dem man Jod auf die Schramme am Knie tröpfelt.&lt;br /&gt;
Ich hab den Krampf in der Wade, mein Geisterzug rattert über die Schwellen wie besoffen, seit Abermeilen konnte ich keinen Bahnhof mehr entdecken (ist auch schlecht beleuchtet hier), ich könnte durchaus innerhalb von Sekunden grundlos sterben, und woran, frage ich mich, würdest Du dann merken, dass ich das Totmannpedal fahren liess?! Ich muss also die Lokomotive auf Kurs halten. Ich will ein breiter, starker Lokführer werden. Und von Dir den Aufbruch lernen (weisst Du, elegant ist das nicht, geschweige denn galant, aber es hat verdammtnochmal Stil!). See ya at sunset, cowboy... T., valken pilgerîne</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>Einwegpost</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-03T19:52:00Z</dc:date>
  </item>


<textinput rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/search">
   <title>find</title>
   <description>Search this site:</description>
   <name>q</name>
   <link>http://jequetepeque.twoday.net/search</link>
</textinput>


</rdf:RDF>
