Aus den Annalen misslungener Experimente:
Seifenherstellung. Dazu benötigt man nur Öl, Asche und eine grosse Flamme, sagte die grosse Organische Chemie für Ingenieure. Was da nicht stand, war das genaue Mischungsverhältnis der beiden Zutaten. Welches Öl, welche Asche, wieviel Flamme wurde ebenfalls verschwiegen. Die Seife musste nach Trial & Error nachgebaut werden, aber daran war ich durchaus gewöhnt. Billiges Sonnenblumenöl, noch billigere Zigarettenasche (mangels Vorfahrenurne), Spiritus und los. Lange Zeit geschah nichts. Nach dieser langen Zeit schoss eine Flamme hoch, was sage ich, eine Feuersbrunst so hoch wie ich in aufrechter Position. Adieu Augenbrauen! Beinah hätte ich das Haus, auf dessen Balkon ich braute, abgefackelt und eine Urne für mich selbst kaufen lassen müssen. Von Seife keine Spur. Es stank bestialisch, nix Lavendel und Moschus, es kostete mehrere Sessionen à 2 Stunden und viel Muskelkater, den zähen Teer auf dem Boden des Topfes zu entfernen. Der Sturmkocher, der mich auf den Äusseren Hebriden warmgehalten hatte, überlebte jedoch auch diese Episode.
La Tortuga - 11. Dez, 11:35










Außerdem braucht man Wasser, damit die Laugen basisch reagieren können -- sonst passiert nix (außer Explosionen).
Man benötigt also am besten Natronlauge, Fettreste oder billiges Öl und eventuell etwas Wasser zum Verdünnen der Lauge. Vorsicht: Natronlauge ist ein extrem aggressives Zeug. Nicht auf Haut oder Schleimhaut gelangen lassen. Falls doch, mit viel viel viel Wasser abspülen. Nie Wasser in Lauge oder Säure gießen (sondern umgekehrt), da Gefahr von Verspritzen durch Erwärmung!
Die genauen Mengenangaben von Lauge und Fett hab ich leider nicht parat. Was passiert, ist folgendes: Fette haben eine sogenannte Säuregruppe im Molekül, das heißt, chemisch betrachtet sind es Säuren. Die haben die Eigenschaft, mit Laugen zu Salzen zu reagieren (Salze sind ionische Verbindungen). Genau das passiert, wenn man Öl mit Lauge kocht. Die Fettsäuren verseifen, wie es fachsprachlich heißt. Die resultierende Verbindung weist einen stark unpolaren Rest und eine stark polare (elektrisch geladenen) funktionale Gruppe auf, löst sich daher in Wasser und kann fetthaltigen Schmutz entfernen. Wofür Seife ja schlußendlich da ist.
Ob Du heutzutage, wo niemand mehr für seine eigene Sicherheit verantwortlich ist, Natronlauge ohne Waffenschein in der Apotheke bekommst, ist fraglich. Früher, als man noch bescheid wußte und auf sich aufzupassen imstande war, stand das Zeugs in jedem Haushaltsschrank.
Viel Erfolg beim nächsten Versuch!
TTh
Natronlauge..
Klingt aber alles sehr abenteuerlich...
Das Problem war damals, dass ich immer so furchtbar praxisbezogen war, die Theorie "tangierte mich nur peripher", wie wir das ausdrückten... Du hast mich dazu inspiriert, besagtes Buch nochmals auszugraben.
Auf das Wasser hätte ich eigentlich kommen müssen angesichts: "Verseifung := HYDROLYSE von Estern unter alkalischen Bedingungen. (...) Die Reaktion wird durch die nucleophile Addition von einem Hydroxid-Ion an den Carbonylkohlenstoff des Esters eingeleitet. Man beachte, dass auch hier, wie bei der Fischer-Veresterung (...was war denn das schon wieder?!), der wichtige, einleitende Reaktionsschritt eine Addition an den Carbonylkohlenstoff ist (steht doch oben schon!) und die Gesamtreaktion über ein vierbindiges Zwischenprodukt verläuft. Der wesentliche Unterschied zur säurekatalysierten Reaktion ist die Nichtumkehrbarkeit der basischen Verseifung (ist mir eben auch aufgefallen irgendwie, obwohl sie nie stattfand). Das sehr basische, im Eliminierungsschritt gebildete Alkoxid-Ion deprotoniert sofort die Carbonsäure zum völlig unreaktiven, resonanzstabilisierten Carboxylat-Ion." (ich muss das einmal alles verstanden haben, meine Chemienoten waren fast grotesk gut...). Übungen:
1) Formulieren Sie die Verseifung von Methylbenzoat.
2) Wie lautet die Reaktionsgleichung für die Umsetzung von Ethylacetat mit Ammoniak?
...Das hat mich wohl dazu bewogen, lieber praktisch zu üben. Und dieser Satz im Seifenexkurs: Justus Liebig mass den Wohlstand und die Zivilisation einer Nation an deren Seifenkonsum. (Alles Wichtige stand immer nur in den Exkursen, die wir für die Prüfungen nicht lernen mussten.)