twoblogs - 17. Jan, 16:05

Warum darf der „Lesensfaden“ nicht reissen? Warum sollten sich Bücher nicht stapeln? Ist der Kauf eines Buches nicht etwas ganz anderes als dessen Lektüre?
Sie reden von „Lesenszeit“ – würde ich gern durch Lebenszeit ersetzen. Haben sie die eine bisher so von der anderen separiert?
Warum sollte Ihr – ich nenne es so – Pausieren (auch: Ihre Leseerholung) mit der Leseunfähigkeit der Nichtleser in irgendeinen Zusammenhang gebracht werden müssen?
Ich habe kein schlechtes Gewissen vor den nicht- oder nur angelesenen Büchern. Ich nenne jetzt nur diejenigen, die sich in der Nähe des Bettes befinden (ich lese derzeit nur im dort): 1. Gerhard Roth, Das Alphabet der Zeit; 2. Botho Strauss, Die Unbeholfenen; 3. Ferdinand Schmatz, Durchleuchtung; 4. Variantenwörterbuch des Deutschen.
Letzteres ist ein Geschenk von Dr. G. Ich schlage es meist vor dem Einschlafen auf und verbeisse mich an irgendeiner Stelle. Schon der Gedanke, dass ich das heute Nacht wieder tun werde, erfreut mich.
Von Schmatz hatte ich mir mehr erhofft. Was dieses „mehr“ ist, muss ich mir noch überlegen.
Im Roth habe ich von hinten her zu lesen begonnen, wahrscheinlich deshalb, weil es mit „Tod“ endet. Eigentlich ist das das vorletzte Kapitel und auch das kürzeste, unterteilt durch 3 Jahreszahlen: 1970, 1973, 2001. Das letzte Kapitel ist der Anhang (Mein Vater, Meine Mutter, Die Liebesgeschichte). Daran schliesst sich allerdings noch eine „Bild-Geschichte“ an, eine Menge flau gedruckter Schwarzweissfotos.
Während ich das jetzt schreibe, steigt eine eigentümliche Lust auf, die ich schon früher bei diesem Buch verspürt habe. Dessen Ursache ist wahrscheinlich die Gliederung. Auf mehr als 820 Seiten mehr als 240 betitelte Kapitel, die wiederum durch römische(!) Ziffern weiter untergliedert sind.
Schliesslich Strauss: Den Schutzumschlag habe ich bei Seite 49 eingeschlagen.
PS: Ich bin erst durch Sie darauf aufmerksam gemacht geworden, dass Leseverhaltung ein Zeichen von Krankheit sein könnte. ;-)

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