Jeder hat seine Zwangshandlungen, um den nötigen Ausgleich und inneren Frieden herzustellen. Wenn jemand Bücher so behandelt, wie Sie es tun müssen, dann ist das eine Aufwertung – vom Verbrauchsgut zur Kostbarkeit, die einer speziellen Vorgangsweise bedarf, um wieder von der Intensität der Lese-Berührung entlastet zu werden. Sie entlasten sich, aber auch die Bücher. So als würden Sie den Lesevorgang wieder zurücknehmen, also dem Buch seine Ungelesenheit, die Frische nach dem Druck, wieder zurückgeben wollen.
Das ist das eine; das andere: das „Verschlingen“, das mir als ziemliche Ungeheuerlichkeit erscheint. Schon, wenn Dr. G. sagt: Ich bin in das Buch nicht hineingekommen, zucke ich zusammen.
Will ich in ein Buch „hineinkommen“? Ich will Lust haben an der Sprache; es soll mich festhalten mit dem Versprechen, dass diese Lust noch bis zum Ende andauern wird. Ist es nur die Sprache? Nein, es kommt auch noch der Entwurf hinzu, eine Absichtspräsenz, die in jedem Satz spürbar sein sollte und das Buch zusammenhält. Auch, wenn Sie wollen, dessen Geheimnis.
Dh aber nicht, dass ich auf dessen Enthüllung aus bin; dass ich mir eine Läuterung oder einen Lebensumbruch von einem Buch erwarte. Ich möchte im Lesen aufgehen, aber mir zugleich meines Körpers, des Raums und der Umstände darin bewusst bleiben.
Was wäre der Idealzustand? Ein Gleichgewicht zwischen der Körperlichkeit des Buches und meiner eigenen. Damit meine ich, dass dieses Buch mich sowohl auf seine als auch auf meine eigene Körperlichkeit ausrichtet und ich dabei eine Art Verschmolzenheit erleben kann. Dass also das Buch in der Zeit des Lesens zu einem Teil des eigenen Körpers wird, nicht nur über die Verbindung mittels Hand und Auge, sondern auch durch gegenseitige Einfühlsamkeit und Auf-Einander-Zugespitztheit der Aufmerksamkeiten.
Ich meine damit ebenso, dass auch die Aufmerksamkeit der Autorin oder des Autors eine Rolle spielt. Ich muss sie mir – zumindest im nachhinein – bewusst machen können. Stellen Sie sich vor, Sie könnten die Wörter und Sätze zurückverfolgen bis zu den schreibenden Händen der Autorin oder des Autors. Das ist es: dass das – als Potenz – noch vorhanden ist und imaginiert werden kann: deren oder dessen Anwesenheit in Form der Wörter und Sätze, als würden diese gerade jetzt – beim Lesen – im Entstehen begriffen sein.
Ein Buch, dass ich nicht wenigstens mit dem Anspruch lese, dass es mich irgendwie erschüttert (um nicht das Kafka-Wort vom 'gefrorenen Meer in mir' zu gebrauchen), brauche ich erst gar nicht in die Hand zu nehmen.
Das ist das eine; das andere: das „Verschlingen“, das mir als ziemliche Ungeheuerlichkeit erscheint. Schon, wenn Dr. G. sagt: Ich bin in das Buch nicht hineingekommen, zucke ich zusammen.
Will ich in ein Buch „hineinkommen“? Ich will Lust haben an der Sprache; es soll mich festhalten mit dem Versprechen, dass diese Lust noch bis zum Ende andauern wird. Ist es nur die Sprache? Nein, es kommt auch noch der Entwurf hinzu, eine Absichtspräsenz, die in jedem Satz spürbar sein sollte und das Buch zusammenhält. Auch, wenn Sie wollen, dessen Geheimnis.
Dh aber nicht, dass ich auf dessen Enthüllung aus bin; dass ich mir eine Läuterung oder einen Lebensumbruch von einem Buch erwarte. Ich möchte im Lesen aufgehen, aber mir zugleich meines Körpers, des Raums und der Umstände darin bewusst bleiben.
Was wäre der Idealzustand? Ein Gleichgewicht zwischen der Körperlichkeit des Buches und meiner eigenen. Damit meine ich, dass dieses Buch mich sowohl auf seine als auch auf meine eigene Körperlichkeit ausrichtet und ich dabei eine Art Verschmolzenheit erleben kann. Dass also das Buch in der Zeit des Lesens zu einem Teil des eigenen Körpers wird, nicht nur über die Verbindung mittels Hand und Auge, sondern auch durch gegenseitige Einfühlsamkeit und Auf-Einander-Zugespitztheit der Aufmerksamkeiten.
Ich meine damit ebenso, dass auch die Aufmerksamkeit der Autorin oder des Autors eine Rolle spielt. Ich muss sie mir – zumindest im nachhinein – bewusst machen können. Stellen Sie sich vor, Sie könnten die Wörter und Sätze zurückverfolgen bis zu den schreibenden Händen der Autorin oder des Autors. Das ist es: dass das – als Potenz – noch vorhanden ist und imaginiert werden kann: deren oder dessen Anwesenheit in Form der Wörter und Sätze, als würden diese gerade jetzt – beim Lesen – im Entstehen begriffen sein.