Was es hiesse
Ich hatte sie auf einer Parkbank liegengelassen, wie einen Mantel, einen Schirm, einfach vergessen, meine Angst, obwohl es doch regnete. Lang ist das her, und nun plötzlich steht sie wieder hinter mir. Es hat Momente gedauert, bis ich mich erinnern konnte, überhaupt jemals eine Angst besessen zu haben. Du hast mich ausgesetzt, sagt sie, vorwurfsvoll, wolltest mich loswerden, abhängen, hahaa!, dachtest du dir so, aber einmal Angst, immer Angst! Einen Hund kann man aussetzen, ein Kind, aber keine Angst. Du hast die Wahl, nimm mich, oder ... Ich habe nie eine Angst gehabt, ich habe keine Angst, bin angstlos, angstfrei, zieh Leine, du bist nicht meine Angst, sage ich, meine Angst verbergend, aber die Stimme verrät mich. Such dir einen anderen Herrn, geh zur Hölle, ich kann mir dich nicht leisten, andere mögen Ängste haben, mir ist eine Angst zu teuer. Womit sollte ich dich füttern? Es ist wahr, dass ich selbst mich nicht erinnere. Die dünne Haut am Hals ist es, die es noch genau weiss; die Schlagader wird ganz schmal und klemmt sich zwischen Luft- und Speiseröhre. Du entkommst mir nicht, lacht meine Angst, nach Hause jetzt in meine Arme, falle, biege, beuge dich!, lass mich saugen!, sie züngelt an meinem Nacken, und ich bin zu feige, mich umzuwenden, zu müde wegzulaufen, zu zahnlos, um zurückzublecken. Habe nicht einmal das Rückgrat zu erstarren. Ich kann nur beten, dass niemand zusieht, während mich meine alte Angst das Fürchten lehrt. Das hiesse, mir Liebe zu erweisen: sich lautlos von mir abzuwenden.
La Tortuga - 10. Feb, 18:54










