Ich habe doch!
Ich dachte immer, ich hätte nicht: jemals einen Roman zu Ende geschrieben. Aber ich habe! Welch ein Fund, ich drücke ihn rund um die Uhr ans Herz und fasse Mut, Unmut erfasst mich. Auch mein Spätwerk wird eher früher als später einen Schlusspunkt kriegen, spüre ich jetzt, und danach werde ich mein Späterwerk beginnen, das eigentlich schon begonnen ist.
Ich war elf (dies lässt sich anhand der Protagonistin, die mein Möchtegern-Alter Ego war sowie an der Schrift exakt rekonstruieren), das Buch (!!) umfasst 34 handschriftliche A5-Seiten, 8 Kapitel, 6 eigene Illustrationen, wovon die blutigste in Farbe, sowie einen höchst stimmungsvollen Sonnenuntergang in fetter Wasserfarbe als Umschlagbild.
Damals war ich ja hauptsächlich Sachbuchautor, ich kannte mich aus mit Mädchenkram wie Pferdchen, Hündchen, Kätzchen, gab mich allerdings auch teils angewandten ornithologischen, botanischen und geologischen Studien hin, betrieb Fernethnologie (Indianer!), ein wenig Magie und Farbenlehre. Auch einige Reisetagebücher (Expeditionsberichte!) sind erhalten, das erste beschreibt - vor allem olfaktorisch eindringlich - eine Sizilienreise. Da war ich 8 und alles andere als zart. Meine Mutter sagt, dass ich als Kind eigentlich nie etwas anderes getan hätte als irgendwelche Hefte zu füllen. Erstaunlich also, dass es aus jener Zeit so wenig Belletristisches gibt; nur noch ein paar unvollendete Krimis (Heldenmädchen und Hündchen), Reiterhofgeschichten (Heldenmädchen und Pferdchen), fiktive Expeditionsberichte (Heldenmädchen und wahlweise Pferdchen, Schiffchen, Lokomotivchen u. dgl.).
Leider ist der Scanner nicht vistakompatibel und das Webcam-Programm hat sich verdünnerisiert, deshalb kann ich die Illustrationen vorläufig nicht beifügen. Zur Entschädigung vorerst ein halbwegs passendes Bild, allerdings einiges älter als der Roman.

Da ich nicht glaube, dass sich für so ein abgedroschenes Thema noch ein Verleger findet (und ich nicht bereit wäre, das Buch als Heftromanserie fortzusetzen), kann ich es verantworten, meinen Frühschund an dieser Stelle gratis & franko zu verscherbeln. "DIE RANCH ZU DEN SIEBEN DONNERROHREN" (so ein Titel!!) beginnt ganz harmlos mit Pferdchen, Kälbchen, Hündchen, Kätzchen, um dann plötzlich überaus blutige und eitrige Haken zu schlagen.
Heute gibts aber erst den Klappentext und das Inhaltsverzeichnis - die schlaflosen Nächte kommen früh genug! Editorische Notiz: alles wird exakt so abgetippt, wie es geschrieben steht, nur natürlich nicht in Schnürchenschrift.
Klappentext (in Bleistift auf Sonnenuntergangsorange):
Juliane lebt auf einer Rinderfarm und erlebt viele Abenteuer. Es gefällt ihr in der Prärie; sie möchte für immer hier bleiben. Wenn sie gross ist, will sie selbst eine Ranch besitzen.
Inhalt:
1 Das weisse Kalb
2 Die Vermisstmeldung
3 Mizzis Schwester Pussi
4 Der Tod des Schimmels
5 In der Räuberhöhle
6 Die Rettung
7 Bei den Indianern
8 Werner als Pferdezüchter
Ich war elf (dies lässt sich anhand der Protagonistin, die mein Möchtegern-Alter Ego war sowie an der Schrift exakt rekonstruieren), das Buch (!!) umfasst 34 handschriftliche A5-Seiten, 8 Kapitel, 6 eigene Illustrationen, wovon die blutigste in Farbe, sowie einen höchst stimmungsvollen Sonnenuntergang in fetter Wasserfarbe als Umschlagbild.
Damals war ich ja hauptsächlich Sachbuchautor, ich kannte mich aus mit Mädchenkram wie Pferdchen, Hündchen, Kätzchen, gab mich allerdings auch teils angewandten ornithologischen, botanischen und geologischen Studien hin, betrieb Fernethnologie (Indianer!), ein wenig Magie und Farbenlehre. Auch einige Reisetagebücher (Expeditionsberichte!) sind erhalten, das erste beschreibt - vor allem olfaktorisch eindringlich - eine Sizilienreise. Da war ich 8 und alles andere als zart. Meine Mutter sagt, dass ich als Kind eigentlich nie etwas anderes getan hätte als irgendwelche Hefte zu füllen. Erstaunlich also, dass es aus jener Zeit so wenig Belletristisches gibt; nur noch ein paar unvollendete Krimis (Heldenmädchen und Hündchen), Reiterhofgeschichten (Heldenmädchen und Pferdchen), fiktive Expeditionsberichte (Heldenmädchen und wahlweise Pferdchen, Schiffchen, Lokomotivchen u. dgl.).
Leider ist der Scanner nicht vistakompatibel und das Webcam-Programm hat sich verdünnerisiert, deshalb kann ich die Illustrationen vorläufig nicht beifügen. Zur Entschädigung vorerst ein halbwegs passendes Bild, allerdings einiges älter als der Roman.

Da ich nicht glaube, dass sich für so ein abgedroschenes Thema noch ein Verleger findet (und ich nicht bereit wäre, das Buch als Heftromanserie fortzusetzen), kann ich es verantworten, meinen Frühschund an dieser Stelle gratis & franko zu verscherbeln. "DIE RANCH ZU DEN SIEBEN DONNERROHREN" (so ein Titel!!) beginnt ganz harmlos mit Pferdchen, Kälbchen, Hündchen, Kätzchen, um dann plötzlich überaus blutige und eitrige Haken zu schlagen.
Heute gibts aber erst den Klappentext und das Inhaltsverzeichnis - die schlaflosen Nächte kommen früh genug! Editorische Notiz: alles wird exakt so abgetippt, wie es geschrieben steht, nur natürlich nicht in Schnürchenschrift.
Klappentext (in Bleistift auf Sonnenuntergangsorange):
Juliane lebt auf einer Rinderfarm und erlebt viele Abenteuer. Es gefällt ihr in der Prärie; sie möchte für immer hier bleiben. Wenn sie gross ist, will sie selbst eine Ranch besitzen.
Inhalt:
1 Das weisse Kalb
2 Die Vermisstmeldung
3 Mizzis Schwester Pussi
4 Der Tod des Schimmels
5 In der Räuberhöhle
6 Die Rettung
7 Bei den Indianern
8 Werner als Pferdezüchter
La Tortuga - 26. Mrz, 14:27
tinius - 26. Mrz, 15:25
Im selben Alter habe ich mal eine Art Tierbuch geschrieben, inspiriert vom "Farbigen Brehm" und eine Mischung aus sorgfältiger Transkribierung und eigens erfundenen Geschichten. Aber das ist mir irgendwann abhanden gekommen.... Ansonsten erinnere ich mich noch an meie verzweifelten Versuche, Shakespeare ins Englische zu übersetzen, die erschwert wurden durch die in Fraktur gedruckten Bände meines Vaters....
antworten
La Tortuga - 26. Mrz, 15:57
Shakespeare ins ... noch Englischere?! Boaah! Das nenne ich ambitioniert! Ich wünschte ja auch, meine Angelsächsigkeit wäre etwas weniger wildwestlich orientiert gewesen. :-)
tinius - 26. Mrz, 16:42
Es gab halt nur die Schlegel / Tieck - Übersetzung, nichts Originales. ;) Da bin ich besser sortiert.
La Tortuga - 26. Mrz, 16:46
Ach so, jetzt! Ich dachte wirklich, vom Englischen ins Englischere. Das wäre dann schon schier vermessen, aber in dem Alter darf man noch alles.
hab - 26. Mrz, 16:30
der titel
ist grossartig. noch interessanter: dass die protagonistin zuerst juliane heisst. und später dann werner. aber da habe ich wohl die falschen schlüsse gezogen ...
La Tortuga - 26. Mrz, 16:50
Hahaaaaaa! Kuhl! Von Geschlechtsumwandlung wusste ich damals wohl nur das, was ich mir dazu selbst ausdachte (allerhand). Wäre ich bereits 12 gewesen, könnte man unfehlbar folgern, dass es sich bei Werner um Julianes Geliebten handelt (den sie erfolgreich vom öden PC-Support zur sexy Pferdezucht bekehrt hat). In diesem Roman fungiert Werner fast eher als deus ex machina, aber lassen wir das Spoilern.
ky (anonym) - 27. Mrz, 01:13
...neiiiiiinnnnn
ich hoffte schon endlich eine geeignete lektüre für meine spätabendgestaltung gefunden zu haben. ich suchte nach etwas wundervollem, nicht zu anspruchsvoll, am besten heiter und spannend, und mit bildern, und dramatische höhepunkten und allerlei tieren und räubern...
mist, jetzt muss ich mich wohl gedulden.
lg
ky
mist, jetzt muss ich mich wohl gedulden.
lg
ky
La Tortuga - 27. Mrz, 14:16
Ich kann zur Überbrückung die Jelineksche Wildnis empfehlen, das ist richtig beschaulich, nur Wilder Osten statt Wilder Westen halt.
Ich fürchte ohnehin, ich werde die meisten treuen Leser während der ersten drei Kapitel verlieren, die sind so abartig langweilig. Immer diese Warmlaufzeit.
Ich fürchte ohnehin, ich werde die meisten treuen Leser während der ersten drei Kapitel verlieren, die sind so abartig langweilig. Immer diese Warmlaufzeit.
Talakallea Thymon - 27. Mrz, 11:33
Im Studium der lateinischen Philologie übersetzt man auch Cicero ins Lateinische -- insofern erstaunt mich Tinius' metaphrastische Ambition nicht gar zu sehr.
Was ist denn Schnürchenschrift?
Was ist denn Schnürchenschrift?
La Tortuga - 27. Mrz, 14:28
Cicero ins Lateinische aus welcher Sprache? Aus dem Lateinischen?! Da empfinde ich es nicht mehr so schmerzlich als Leerlauf, dass ich lange Zeit Schafsdarminhalt in Ziegendarminhalt umgerechnet habe (u. dgl.)
Ich übersetze gerade eine Gebrauchsanweisung aus dem Mandarinen ins ... sagen wir mal, Prosische.
Schnürchenschrift (auch "zusammengehängt" genannt) ist das, was man sofort nach der Blockschrift in der (Schweizer?) Schule lernen muss. Daraus soll sich nachher eine individuelle Handschrift entwickeln, man kann an Schweizer Handschriften den Jahrgang und das Geschlecht einer Person leicht ermitteln. Deshalb bin ich so stolz auf meine unästhetische Handschrift, weil ich irgendwann in pubertärer Rebellion auf Block umstellte, der sich mit der Zeit unkonventionell schnürte. Niemand kann meine Daten erraten!
Derzeit tobt in der CH übrigens ein Schnürlischriftkampf. Ein Mann hat eine Standardschnürlischrift erfunden, die ein paar Schnörkel weniger hat als die bisherige Standardschnürlischrift, und manche finden nun, dass die in die Schulen eingeführt werden soll, das sei einfacher für die Kinder, während andere um die Schnörkel weinen und finden, die Kinder hätten es heutzutage sowieso schon zu leicht. Beide Schnürlischriften werden ab und zu in den Zeitungen nebeneinander abgebildet. Ich sehe keinen Unterschied und werde ausnahmsweise auf mein demokratisches Mitbestimmungsrecht verzichten.
Nachtrag: soeben entdeckt, die Blockschrift hiess in der Schule "Steinschrift". Wer also reif war für die Schnürlischrift, der fühlte sich wahrhaft der Steinzeit entwachsen, genau, und dann blickte man auf die Steinzeitler hinunter.
Ich übersetze gerade eine Gebrauchsanweisung aus dem Mandarinen ins ... sagen wir mal, Prosische.
Schnürchenschrift (auch "zusammengehängt" genannt) ist das, was man sofort nach der Blockschrift in der (Schweizer?) Schule lernen muss. Daraus soll sich nachher eine individuelle Handschrift entwickeln, man kann an Schweizer Handschriften den Jahrgang und das Geschlecht einer Person leicht ermitteln. Deshalb bin ich so stolz auf meine unästhetische Handschrift, weil ich irgendwann in pubertärer Rebellion auf Block umstellte, der sich mit der Zeit unkonventionell schnürte. Niemand kann meine Daten erraten!
Derzeit tobt in der CH übrigens ein Schnürlischriftkampf. Ein Mann hat eine Standardschnürlischrift erfunden, die ein paar Schnörkel weniger hat als die bisherige Standardschnürlischrift, und manche finden nun, dass die in die Schulen eingeführt werden soll, das sei einfacher für die Kinder, während andere um die Schnörkel weinen und finden, die Kinder hätten es heutzutage sowieso schon zu leicht. Beide Schnürlischriften werden ab und zu in den Zeitungen nebeneinander abgebildet. Ich sehe keinen Unterschied und werde ausnahmsweise auf mein demokratisches Mitbestimmungsrecht verzichten.
Nachtrag: soeben entdeckt, die Blockschrift hiess in der Schule "Steinschrift". Wer also reif war für die Schnürlischrift, der fühlte sich wahrhaft der Steinzeit entwachsen, genau, und dann blickte man auf die Steinzeitler hinunter.
Talakallea Thymon - 27. Mrz, 16:28
Andere Länder, andere Sitten. Wir haben damals mit einer Schrift, die sicher unter die Bezeichnung "Schnürlischrift" fallen würde, angefangen, auf vier Hilfslinien, um die Proportionen von Über- und Unterlängen richtig hinzukriegen. Ich glaube, auf Fachchinesisch heißt diese Schrift "Lateinische Antiqua-Schreibschrift". Siehe hier. Irgendwelche Überlegungen, wie man es den Schülern leichter (oder schwerer, hähä) machen könnte, gab's nicht. Es wurde geschrieben, wie die Schrift nunmal ist, basta. Übrigens gehen mir derartige Diskussionen, wie Du sie schilderst, ziemlich auf den Geist. Die Kinder sollen doch nur schreiben lernen, mein Gott! Was kann denn daran so schwer sein. WEnn ihnen dann später die Kringel gefallen, können sie ja selbst entscheiden, ob sie sich kringeln wollen beim schreiben oder nicht.
La Tortuga - 27. Mrz, 17:23
Mich nervt das eigentlich gar nicht, es lächert mich eher. Einfach eine Ausweitung des um sich greifenden Phänomens der künstlichen Problemerzeugung. Habe heute gerade einen Artikel über "disease mongering" gelesen - nichts Neues, aber den Fachausdruck hatte ich noch nie gehört, hübsch! -, das wäre dann die bösartige (nicht mehr lustige) Form desselben Phänomens; jemand verdient sich eine goldene Nase dabei. DAS nervt. Zum Beispiel.










