Notstand! Alarm! Schwundroman!
Ja, das ist tragisch mit der Leseförderung (dieser herrliche Mitschnitt hat mich gerade wieder schmerzlich daran erinnert). Es hilft alles nichts; um ehrlich zu sein, ich versuche es gar nicht mehr, der ewige Missionarsstellungskrieg brockte mir nur Herzschmerzen ein. Lange dachte ich auch, es wäre besser, "irgendetwas" zu lesen als gar nichts - ja das dachte ich, bis mir die Buchhandlung eines Tages verwechselnderweise ein nichtbestelltes Buch zusandte. Es war eben so ein Schwundroman. Ich nahm mir vor, ihn zu lesen, bevor ich ihn zurückschicken würde, wenn mir schon ein kostenloses Bildungsangebot in den Kasten gelegt worden war. -- Also: da war eine Frau, die gerade in Eile hohe Schuhe montierte, als der Klempner klingelte. Sie liess ihn ein und legte ihn flach (nicht er sie, es war ein Frauenroman, aber das ohnehin). Dann ging sie hinaus, wo die Freundin im Auto wartete, erbost über die Verspätung und dann erfreut über die Nacherzählung der Klempnerei (auch der Leser musste sie nochmals hören, aber Längen hatte das nicht, es dauerte 5 Sekunden, pfffft). Sie setzten sich in eine Bar und liessen den Charme walzen. Noch bevor der Drink kam, hatten sie schon je ungefähr zwei Kerle am Haken. -- Bis jetzt hatte ich Ein-ein-halb-Seiten gelesen. Ich konnte nicht mehr. So lang hatte ich noch niemals gebraucht für Ein-ein-halb-Seiten. Inzwischen bin ich überzeugt, dass es doch unschädlicher ist, gar nichts zu lesen als etwa dieses Buch. Dabei verpasst man sozusagen das eigene Leben und das der anderen, wenn man von sich nicht behaupten kann: "Ich habe einmal ein Buch gelesen."
La Tortuga - 29. Apr, 19:41











(Wer sagt denn, dass es eine AutorIN ist??? ... Doch doch, es ist eine. :-D)