Woher kann ich Polnisch?
Seit bald zwei Jahren bastle ich an meiner multiplen Biographie, was sich als zäher erweist als gedacht, zumal sich die literarische Aktivität zu 99% auf Dinge bezieht, die nicht im Entferntesten ich sind. Viel bunter Mörtel ist verbaut, aber immerhin habe ich noch in keiner meiner Biographien einen Mord begangen (wenn man grosszügig von zweidrei Gattenvergiftungen absieht - wohl aber wurde ich selbst ein paarmal ermordet, eine lästige Sache).
Der Versuch, Mauern einzureissen, die ohnhin nicht existieren, wurde und wird immer wieder unternommen. In meiner derzeitigen Lektüre zum Beispiel: Cortázars Rayuela; niemand wird bestreiten, dass damit ein Meilenstein gesetzt wurde. Danielewski's House of Leaves finde ich - nach anfänglicher Begeisterung - eher nicht gelungen; am Ende war ich einfach nur noch müde, und letztlich scheint mir dieses Erzählen nicht bahnbrechend (wohl aber die olympische Leistung der Setzer...). Es ist ja, zieht man die Typo, die Anhänge und das (überaus reiz- und anspruchsvolle) Fussgenote ab, ganz konventionell: Erzählung und Rahmenerzählung.
Wer weiss, vielleicht hat der polnische Schriftsteller Krystian Bala nun die Schleusen zwischen hüben und drüben geöffnet. Oder er hat sich eines ungeheurlichen Marketingtricks bedient, weil sich sein Buch nicht verkaufte. Oder er ist tatsächlich ein psychopathischer Sadist und Mörder mit einem Hang zur Buchführung. Oder er ist ein Schriftsteller, der sich 25 Jahre Klausur fürs Schreiben mit Kost und Logis verschaffen wollte. Alle Fragen bleiben offen, ist das nicht das eigentliche Ziel? Wer hat den Kommissar erfunden? Oder hat ebendieser das Buch geschrieben? Oder die (wessen?) Ex-Frau? Das Mordopfer, eigentlich ein Verschollener? Haben Journalisten die ganze Geschichte als Ente in die Welt gesetzt? Habe ich geträumt, dass ich heute beim Kaffee diesen Artikel las? Da doch mein Zeitungsabo letzte Woche abgelaufen ist - oder habe ich das in "Amok" gelesen? Hat mir die Buchhandlung wieder ein falsches Buch zugestellt? Woher kann ich Polnisch? Und überhaupt, was hat irgendeins meiner Ichs mit all dem zu tun!
Der Artikel von David Grann erschien ursprünglich im New Yorker, leider steht nur ein Abstract zur Verfügung.
Heute ist der gesamte Artikel im Magazin abgedruckt - leider nicht aufgeschaltet, ich hoffe das kommt noch.
Eine weitere Besprechung findet sich in einem ohnehin interessanten Blog namens The Absent Narrative (der Autor gibt als Beruf "Medium" an, das ist doch vielversprechend).
Der Versuch, Mauern einzureissen, die ohnhin nicht existieren, wurde und wird immer wieder unternommen. In meiner derzeitigen Lektüre zum Beispiel: Cortázars Rayuela; niemand wird bestreiten, dass damit ein Meilenstein gesetzt wurde. Danielewski's House of Leaves finde ich - nach anfänglicher Begeisterung - eher nicht gelungen; am Ende war ich einfach nur noch müde, und letztlich scheint mir dieses Erzählen nicht bahnbrechend (wohl aber die olympische Leistung der Setzer...). Es ist ja, zieht man die Typo, die Anhänge und das (überaus reiz- und anspruchsvolle) Fussgenote ab, ganz konventionell: Erzählung und Rahmenerzählung.
Wer weiss, vielleicht hat der polnische Schriftsteller Krystian Bala nun die Schleusen zwischen hüben und drüben geöffnet. Oder er hat sich eines ungeheurlichen Marketingtricks bedient, weil sich sein Buch nicht verkaufte. Oder er ist tatsächlich ein psychopathischer Sadist und Mörder mit einem Hang zur Buchführung. Oder er ist ein Schriftsteller, der sich 25 Jahre Klausur fürs Schreiben mit Kost und Logis verschaffen wollte. Alle Fragen bleiben offen, ist das nicht das eigentliche Ziel? Wer hat den Kommissar erfunden? Oder hat ebendieser das Buch geschrieben? Oder die (wessen?) Ex-Frau? Das Mordopfer, eigentlich ein Verschollener? Haben Journalisten die ganze Geschichte als Ente in die Welt gesetzt? Habe ich geträumt, dass ich heute beim Kaffee diesen Artikel las? Da doch mein Zeitungsabo letzte Woche abgelaufen ist - oder habe ich das in "Amok" gelesen? Hat mir die Buchhandlung wieder ein falsches Buch zugestellt? Woher kann ich Polnisch? Und überhaupt, was hat irgendeins meiner Ichs mit all dem zu tun!
Der Artikel von David Grann erschien ursprünglich im New Yorker, leider steht nur ein Abstract zur Verfügung.
Heute ist der gesamte Artikel im Magazin abgedruckt - leider nicht aufgeschaltet, ich hoffe das kommt noch.
Eine weitere Besprechung findet sich in einem ohnehin interessanten Blog namens The Absent Narrative (der Autor gibt als Beruf "Medium" an, das ist doch vielversprechend).
La Tortuga - 17. Mai, 13:49









