Ein Tribut an die Wolfsmenschen
Der Wunder-Uhrenträger hat noch einige Zusatzwunder beschert (neben Formulierungen wie "der letzte Plumps geklot" - unvergänglich wie ein Svarowsi-Diamant!). Hexenhaare beispielsweise. Ich stellte mir darunter im ersten Impuls einfach eine hässliche Haarpracht vor, wurde dann aber misstrauisch und recherchierte. Zu meiner Freude stellte ich fest, dass ich selbst ungefähr 2-4 Hexenhaare trage und damit schon eine Voraussetzung erfülle, um überhaupt geliebt werden zu können; verhext nennt man sie wohl deshalb, weil sie immer noch kräftiger nachwachsen, je öfter man sie mitsamt Wurzel ausreisst, während etwa eine ausgefallene Wimper verloren bleibt und man sich in ferner Zukunft auf einen lidlosen Schlangenblick gefasst machen muss. Haare sind etwas Magisches, jeder Schamane weiss das. Ich habe mich immer geweigert, meine zusammengewachsenen Brauen zu zupfen, obwohl mich schon mal ein Kind fragte, weshalb ich einen Schnauz über den Augen hätte. Ich wünschte, sie wären noch prägnanter - man denke an Frida Kahlo, das Inbild nicht-anämischer weiblicher Schönheit.
Man nennt stark behaarte Menschen "Wolfsmenschen", man nennt sie "krank", die "Krankheit" heisst Hypertrichosis oder Werwolf"syndrom" (es sind weltweit nur 40 bis 50 "Fälle" bekannt, darunter die berühmte mexikanische Wolfsmenschenfamilie). Hyper: zuviel! Wer legt fest, wieviele Haare man haben darf?! Man sucht und findet: Ursache, Diagnose, Therapie. Findet gleichzeitig Frühhominiden, Freakshows, billige Horrorfilme, verkrüppelte Tiere. Es zeigt einmal mehr, dass "krank" manchmal bedeutet, dass eigentlich die Betrachter krank sind, so wie Behinderte oft nicht behindert sind, sondern behindert werden. Vermutlich leiden Wolfsmenschen tatsächlich, aber nicht an ihrem Haar, sondern am psychischen Druck, der auf sie ausgeübt wird. Es bleibt ihnen in dieser Gesellschaft nichts anderes übrig, als sich verschämt zurückzuziehen oder sich als Freaks zu vermarkten; ich wünsche ihnen, dass es ihnen gelingt, ihre Besonderheit mit Stolz zu zeigen, ohne sich dabei ausstellen zu lassen. Ich für meinen Teil finde sie ausnehmend schön, nicht nur, weil fast alles Seltene ästhetisch ist - der Mensch ist doch gerade durch die nackte Haut hässlicher als andere Säugetiere (... dann wiederum: auch so manche Glatze wirkt anziehend; hässlich ist eigentlich das, was sich selbst in eine Norm zwingt oder gezwungen wird, was sich in behaarter oder nackter Haut nicht wohl fühlt).

Eine beneidenswert schöne Frau.
Ein begehrenswert schöner Mann. (... Liest man dahinter das Wort Circus?!)
Ein liebenswert schönes Kind. ("Seine Eltern haben alles versucht", hiess es; von Anfang an wurde also dieses Kind dazu angehalten, sich krank und hässlich zu fühlen.)
Man nennt stark behaarte Menschen "Wolfsmenschen", man nennt sie "krank", die "Krankheit" heisst Hypertrichosis oder Werwolf"syndrom" (es sind weltweit nur 40 bis 50 "Fälle" bekannt, darunter die berühmte mexikanische Wolfsmenschenfamilie). Hyper: zuviel! Wer legt fest, wieviele Haare man haben darf?! Man sucht und findet: Ursache, Diagnose, Therapie. Findet gleichzeitig Frühhominiden, Freakshows, billige Horrorfilme, verkrüppelte Tiere. Es zeigt einmal mehr, dass "krank" manchmal bedeutet, dass eigentlich die Betrachter krank sind, so wie Behinderte oft nicht behindert sind, sondern behindert werden. Vermutlich leiden Wolfsmenschen tatsächlich, aber nicht an ihrem Haar, sondern am psychischen Druck, der auf sie ausgeübt wird. Es bleibt ihnen in dieser Gesellschaft nichts anderes übrig, als sich verschämt zurückzuziehen oder sich als Freaks zu vermarkten; ich wünsche ihnen, dass es ihnen gelingt, ihre Besonderheit mit Stolz zu zeigen, ohne sich dabei ausstellen zu lassen. Ich für meinen Teil finde sie ausnehmend schön, nicht nur, weil fast alles Seltene ästhetisch ist - der Mensch ist doch gerade durch die nackte Haut hässlicher als andere Säugetiere (... dann wiederum: auch so manche Glatze wirkt anziehend; hässlich ist eigentlich das, was sich selbst in eine Norm zwingt oder gezwungen wird, was sich in behaarter oder nackter Haut nicht wohl fühlt).

Eine beneidenswert schöne Frau.
Ein begehrenswert schöner Mann. (... Liest man dahinter das Wort Circus?!)
Ein liebenswert schönes Kind. ("Seine Eltern haben alles versucht", hiess es; von Anfang an wurde also dieses Kind dazu angehalten, sich krank und hässlich zu fühlen.)
La Tortuga - 21. Mai, 22:48










