3
Jul
2009

64 Künste

Gesang, Instrumentalmusik, Tanz, Zeichnen, Ritzen von Umrissen in Blätter zum Bemalen der Stirn, Anfertigen verschiedener Muster aus Reis und Blumen, Streuen von Blüten, Färben von Zähnen, Gewändern und Körperteilen, Fussbodenschmücken mit (eingelegten) Juwelen, Herrichten einer Lagerstatt, Wassermusik, Wasserspritzen (als Spiel), wundertätige Praktiken, die Arten des Kranzwindens, das Anbringen von Stirn- und Kopfschmuck, Wahl der (passenden) Garderoben, Arten des Ohrschmückens, Parfümzubereitung, Anbringen von Schmuck, Erlernen von Zauberkunststücken, Kucumāra-Praktiken, Handfertigkeit, Zubereiten verschiedener Arten von Gemüse, Brühen und (anderen) Gerichten, Herstellen von Getränken, Säften, Würztränken und Likören, Näh- und Webarbeiten, Fadenspiel, Komponieren und Spielen von Musikstücken auf der Laute und der Trommel, Komposition und Lösen von Rätseln, Rezitationsspiele, Hersagen von Zungenbrechern, Vorlesen aus Büchern, Kenntnis von Schauspielen und Erzählungen, Vervollständigen der Zeilen eines Gedichtes, Flechten von Bändern und Bambus, Drechseln, Zimmern, Kenntnis von Architektur, (Echtheits-) Prüfung von Silber, Metallurgie, Kenntnis von Juwelen, Farben und Mineralien, Praktiken der Baumpflege, Veranstalten von Widder-, Hahnen- und Wachtelkämpfen, Sprechdressur von Papageien und Predigerkrähen, Geschicklichkeit im Einreiben, Massieren und Frisieren, Erzählen mit Hilfe der Fingersprache, die Arten von Geheimsprachen, Kenntnis der Provinzdialekte, Herrichten von Blumenwagen, Kenntnis der Vorzeichen, des Alphabets der Diagramme, der Gedächtniskunst, gemeinsames Rezitieren, in Gedanken (erfolgendes) Abfassen von Gedichten, Kenntnis der Lexikographie, der Metrik, der literarischen Arbeit, Arten der (Verstellung durch) Gestikulation, Verkleidungen, Arten des Glücksspiels, Würfelspiel, Arten der Kinderspiele, Kenntnis der Wissenschaften von den Anstandsregeln, Strategien und Leibesübungen - das sind die 64 Wissensgebiete, welche Glieder des Kāmasūtra sind.

Mallanāga Vātsyāyana: Kāmasūtra. Erster Hauptteil, drittes Kapitel (Darlegung der Wissenschaften), 15. sūtra. Übersetzung von Klaus Mylius.



Keine Chance!!! Muss ich mich allen Ernstes um eine Wiedergeburt bewerben, um nicht ständig von vorn anfangen zu müssen? Wieso deprimiert mich das jetzt?! Dieser scham- und masslose Anforderungskatalog könnte doch genausogut von mir stammen. Ja, mindestens soviel erwarte ich (farb-quantitativ und phantast-qualitativ) von Anderen, vor allem aber von mir selbst (wohl deshalb kann ich noch immer rein gar nichts). Also nennt mir mal einen, der alle nötigen Talente hätte, und der so bunt und breit wäre, um sich überhaupt für all das zu interessieren, geschweige denn so tief, wenigstens 28 Künste zu erlernen (ich glaube das ist es, was mich deprimiert)! Auch wenn ich die Schwerpunkte ein klein wenig verschieben würde: etwas weniger Tussi-Kram (das ganze Klamotten-, Schmuck- und Parfüm-Tamtam könnte man doch unter einer einzigen Wissenschaft zusammenfassen), dafür mehr Handfestgemütliches, wie die Kunst des Schlachtens und des Feuermachens oder die Auffindung und Entfernung von Zecken. Das Gemüse muss natürlich raus, sonst würgt man ja immer noch, wenn man bald darauf zum Kapitel über die Umarmungen kommt. Fleisch eröffnet da ganz andere Dimensionen. Dann möchte ich dem Lehrmeister noch ein paar Fragen stellen. Zum Beispiel, ob das Anbringen von Kopfschmuck an Kühen und die Echtheitsprüfung von Dollarscheinen auch gilt (diese beiden Dinge kann ich nämlich, immerhin!!), ob man die Wassermusik selber erfinden darf und ob zum Färben der Zähne auch Coffein, Tein und Nikotin zugelassen sind. Aber ich glaube schon. Vātsyāyana ist ja sehr kulant, letztlich verweist er immer darauf, dass man nach eigenem Ermessen entscheiden und die Regeln nicht zu starr interpretieren sollte. Überhaupt alles so pragmatisch und entspannt. Ich werde alt (oder wurde ich schon zigmal wiedergeboren, jedesmal reset?!).

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Talakallea Thymon - 3. Jul, 22:22

Ich denke, wenn man mal nachdenkt, fallen einem bestimmt 64 Künste ein, die man beherrscht. Könnte man mal ein Spiel daraus machen ...

La Tortuga - 4. Jul, 18:17

Das ist wohl schon wahr ... Aber die meisten dieser Künste sind (in meinem Fall) nicht allzu edel, manche geradezu eklig. Und selbst die, auf die ich stolz bin, beeindrucken schlicht niemanden (z.B. schreibe ich fliessend Spiegelschrift - das wird in Briefen als ärgerlich empfunden!!).
Gregor Keuschnig - 3. Jul, 23:01

Mir gefällt Fussbodenschmücken mit (eingelegten) Juwelen eindeutig am Besten. Statt stinkende Holzimitationen (Laminat) vom Billig-Baumarkt zu verlegen. Da könnte ich mir vorstellen, das Fussbodenschmücken zu erlernen.

La Tortuga - 4. Jul, 18:19

Dann mach Dich an die Arbeit! Ich werde nämlich sofort so einen Boden bei Dir bestellen. ... Aber kriegst Du die Juwelen auch im Baumarkt?

... Mich dagegen würde "Komposition von Rätseln" interessieren. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man das machen könnte, obwohl ich immer alles am falschen Ende anfange.
Talakallea Thymon - 4. Jul, 22:28

Kein geringerer als Leonardo da Vinci übte sich in Spiegelschrift. Also sei stolz darauf! Und warum wird das als ärgerlich empfunden? Wer sich über die Gelegenheit, das Lesen von Spiegelschrift zu üben, nicht freut, kann ja vor dem Spiegel weiterlesen!

Interessieren würden mich aber diejenigen Deiner Künste, von denen Du sagst, sie seien eklig. Da ich selbst oft Gleichgültigkeit empfinde oder mich als Gourmet fühle, wo andere der Ekel überkommt, bin ich in diesen Dingen neugierig.

La Tortuga - 6. Jul, 18:51

Die Frage musste ja kommen. Ja, genaugenommen sind es Künste, die nur von anderen als eklig wahrgenommen werden (bis auf das kunstvolle Nasenbohren vielleicht, das finde ich selber eklig). Sagen wir, rohe Eier ausschlürfen. Lämmer kastrieren. Loriots Adventsgedicht rezitieren. Pentatonisch furzen. Geschirr von einer Woche mit einem halben Liter Wasser spülen. Salben auf Schweineschmalzbasis mischen. All so Zeugs, das man beinah unbewusst zu üben beginnt, wenn man sich oft und lange in Zivilisationsferne aufhält (bis auf die Lämmer - ich sag auch nicht, dass ich das gern mache).

hallo!!

hey, remember me? the guy who mande the mexican miniseries long time ago? I just wanted to tell you I made a new shortfilm, and this time I added subtitles, I hope you can see it , here's the link:

www.vimeo.com/trento

cheers from mexico!

La Tortuga - 7. Jul, 20:20

Hello again, Francisco! Of course I remember you and your fine cinema. Thanks for keeping me and my readers updated - I hope they take heed of my recommendations. I'm looking forward to watch your latest work of art!

Best wishes from Switzerland, yours Tortuga
Pituffik

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