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2
Nov
2009

Witwe werden

Mein Nimbus schillert noch nicht bunt genug. Der reicht keine 3x um die Hüfte herum. Deshalb will ich (unter anderem) Witwe werden. Es soll aber niemand zu diesem einzigen Zwecke zu Tode kommen. Über Leichen gehen - denn das gehört zum Nimbus - kann ich ja trotzdem: ich werde einen Toten heiraten.

Fragen an die Justiz: das geht recht unkompliziert, oder? Muss der Bräutigam persönlich auf dem Zivilstandsamt erscheinen? Kann allenfalls ein gesetzlicher Vertreter (z.B. sein Urururenkel) an seiner Statt unterschreiben? Ist der Bräutigam rechtlich gesehen Witwer und somit wieder heiratsfähig, obwohl seine ebenfalls tote erste Ehefrau nach ihm gestorben ist? Wie bekomme ich mein Erbteil von den bisherigen Erben (z.B. Urururenkeln) zurück? Erhalte ich durch die Heirat automatisch seine Staatsbürgerschaft?

Fragen des Benimm: die Sympathie ist zweifellos gegenseitig; aber in seinem Zeitalter ist es bestimmt ein no-go, dass die Frau den Antrag macht. ... Soll ich trotzdem?! (Ich fürchte drum, dass ihm die Idee noch nicht gekommen ist; soll ich denn ewig warten?) Muss ich den Bräutigam wirklich küssen? Wo schaufle ich unauffällig sein Stück Hochzeitstorte hin?

Weitere Fragen an die Justiz: Ist seine erste Ehefrau mir wieder gleichgestellt, sobald ich sterbe? Wird unser Gemahl dann zum illegalen Bigamisten? Dürfen wir ihn im Gefängnis besuchen? Kann ich mich notfalls (lebend oder tot) von einem Toten scheiden lassen? Kann ich, wenn ich tot bin, einen Lebenden heiraten?

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schreiben wie atmen - 2. Nov, 17:13

Zum JA sagen, liebe Frau Tortuga ist in jedem Falle JA zu sagen.

In einer so verneinenden Zeit wie der unseren ist es von höchster Wichtigkeit, ohne viel Federlesens JA zu sagen. Zumal wenn es sich um einen so positiven Vorgang wie das Eingehen einer eheliche Verbindung handelt. Nebenbei: haben Sie schon in Erwägung gezogen, dass dieser Vorgang uns der Beantwortung einer schon lange aufgeworfenen und niemals zur Zufriedenheit geklärten Frage näherbringen könnte:
Was sind Untote?
Fragt sich das die wissenschaftliche Welt nicht schon seit Langem? Könnte es sich hierbei nicht eventuell um die leiblichen Kinder handeln die einer solchen Mischehe entspringen, wie Sie sie derzeit anstreben?
Ich bin aufs Höchste gespannt und bitte Sie dringend, mir eventuell weiter führende Informationen nicht vorzuenthalten. Danke!

La Tortuga - 3. Nov, 20:24

Liebe Alte Säckin, ich fürchte, ich habe einmal mehr zu hoch gestapelt, ich weiss auch nicht mehr als Sie. Ich glaube, es ist eher die Parawissenschaft, die Untote so gnadenlos verfolgt. Meiner Erfahrung nach unterscheiden sich Tote und Lebende praktisch gar nicht (wenn man einmal vom physischen Geruch absieht). Es gibt keine wirkliche Grenze, nur eine reale, womit wiedermal auf mein Insistieren auf dem Unterschied zwischen Wirklichkeit und Realität hingewiesen sei. Untote sind obsolet.
Allein mit dem JA bin ich nicht einverstanden. Man fährt mit NEIN viel besser. Der Zeitgeist basiert meines Erachtens viel zu sehr auf JA (...wie kommen Sie zur Emfpindung, er sei verneinend?). Nein zur Ehe. Nein zum Kind. Nein zu Gott. Nein zum Leben. Nein zum Schicksal. Nein zum Tod. JA aus vollem Herzen kann ich nur zur Liebe und zur Poesie sagen (was im Übrigen dasselbe ist). Und manchmal ist ein mysteriöses VIELLEICHT am Platze, man muss nur wissen wann.
tja - 4. Nov, 16:30

deine fragestellungen

sind wieder einmal hochinteressant. du schreibst sie oft in einem stilgemisch diebischer, kindlicher und wissenschaftlicher entdeckerfreude... unterhaltsam formuliert und vertieft.
du guckst ganz schräg von unten, und wirkst dabei dennoch nicht affig. ;) witzig, wie oft.

La Tortuga - 5. Nov, 11:24

"Ganz schräg von unten", das ist jetzt interessant. Ich habe gar nie drüber nachgedacht, woher ich eigentlich schaue. Es freut mich, dass es so rüberkommt; mancher mag sowas wohl schon affig finden. Es gibt tatsächlich Leute, die gegen Charme, Charisma, Intelligenz, Humor vollkommen immun sind, wenn dieser mit so seltnen Attributen Ausgestattete nicht gerade neben ihnen an der Bar sitzt oder zwei Bürotüren weiter, sondern - zum Beispiel - bestattet liegt. Aber dann wiederum ist denen nicht zu helfen, und es macht mir in diesem Fall nichts aus, affig zu wirken auf die, die von gerade oben gucken.
tja - 5. Nov, 19:08

genau. das gerade ist mir vollkommen suspekt. ;)
La Tortuga - 5. Nov, 20:47

Was ist suspekt? Dass es mich nicht anficht, wenn mich jemand affig findet? Aber das muss mir doch wurscht sein. Immerhin ist es nicht mein Problem, und auch nicht in meiner Hand. Da kann und soll man gar nichts machen. :-)
tja - 6. Nov, 15:59

das bezog sich auf diese stelle:

Leute, die gegen Charme, Charisma, Intelligenz, Humor vollkommen immun sind, ...
La Tortuga - 6. Nov, 20:39

Ach sooooo! Das ist aber seltsam (bzw. wiederum mir suspekt). Die zeitgleiche physische Anwesenheit hinterlässt nun mal den blassesten Eindruck eines Menschen, egal wie prägnant, verglichen mit allen anderen Äusserungen. Das werde doch wohl nicht nur ich so erleben, sonst hätte ja kein Toter Sympathie für mich.
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