5XII Kann nicht anders XII
Lass Dich nicht täuschen von temporärer Symmetrie. Es ist auch nicht so, dass ich Dir abhanden gekommen wäre, obwohl Du Dir das manchmal wünschst. Du weisst doch mittlerweile, dass mir das Verschellen nicht gelingt, wie oft ich es auch versuche, solcher und anderer Art, derart, dass es zu peinlich wäre, um es zu schildern. Selbst wenn es gelänge, wärst Du derjenige, dem ich meine nunmehr fiktive Adresse (medieval strangeness) zustecken würde, da ich weiss, dass Du der einzige bist, der das Wissen um meinen mutmasslichen Aufenthaltsort nicht missbrauchen würde. Im Gegenteil, es wäre Dir ein Leichtes, die druckfrische Visitenkarte der T. mit grünen Punkten und orangefarbenen Streifen zu verlieren, so nonchalant und scheinbar aus Versehen, dass ein zufälliges Aufheben der Karte durch einen Spaziergänger, den ich nun wirklich nichts angehe, zum Vornherein ausgeschlossen wäre. Ja, Du weisst mich zu schützen, ohne dass es Dich die geringste Anstrengung kostet. Es ist, als wäre es ein paraphysikalisches Gesetz, dass wir in diesem weissrauschenden Verhältnis zueinander stehen: Du mir ein Mammutbaum, unter dessen pleistozängrüner Krone ich auch an den schlechtesten Tagen bis zum Bücherregal robbe (infinitamente triste); ich Dir eine Visitenkarte, die Du einmal in der Brusttasche trugst, und jedesmal, wenn Du Dich vom Lagerplatz erhebst, schüttelst Du die Ameisen und mit ihnen die Karte aus dem Jackett. Es ist ja, seien wir realistisch, eher ein Visitenzettel. Ohne Gewähr, aber unerschütterlich treu. Du bist die Ausnahme sämtlicher Regeln. Ich stelle mir Dich als glücklichen Menschen vor. Das ist kein bypass an meiner linken Brust: es ist das Oxymoron, das ich an mein Herz drücke (Du weisst, nicht-invasiv, keine Präsenzkontrolle), der glückliche Dichter.
La Tortuga - 2. Mai, 13:19











