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    <title>Notizen aus Kangerlussuaq (Das Postamt, der Atlas, die Seekarten.) : Rubrik:Nachtexpress</title>
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    <description>Das Postamt, der Atlas, die Seekarten.</description>
    <dc:publisher>La Tortuga</dc:publisher>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:date>2008-10-14T12:45:32Z</dc:date>
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  <image rdf:about="http://static.twoday.net/jequetepeque/images/icon.jpg">
    <title>Notizen aus Kangerlussuaq</title>
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    <title>Dieses Jahr schon mal</title>
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    <description>Flach &amp; Rund / Ich bin nicht vorbereitet und soll indiskrete Fragen beantworten, was ich mache, wovon ich lebe, was ich vorhabe etc. Ich stottere Ausreden. Dass ich in der Ziegenzucht forsche. / Wir gehen im Gleichschritt und in Kontakt, noch etwas ungewohnt. / Der dünne Schriftsteller - gleich gekleidet wie der andere - verzieht sich verbittert (tut mir leid). / Das Hemd: der Karokissenbezug, auf dem ich liege, hahaa! / Aah! Glück, scheues. / Auf einem Zeugenberg. / Nein, nicht eingebunkert bin ich, sondern &lt;i&gt;veritablement&lt;/i&gt; ausgebunkert, komplett umgestülpt, trage die Schleimhäute aussen, die Epidermis innen. / Kathartisch durchaus, aber in all diesen Fallens bin ich in Sicherheit. / Du bist nah - wo auch immer ich hingehe, begleite ich dich (weil von uns beiden ich der Schatten bin; weil du willkommen, doch zu nichts verpflichtet bist). / Zechen, bis der Urin dunkelrot wird, rauchen, bis auch ich meine stimmliche Indifferenzlage finde, alles, was mich normalerweise umbringt. / Menschen, die auch im Halbvollrausch das Niveau halten, niemals bösartig, unartikuliert, unsachlich, anzüglich oder gar dumm werden. / Sie, ganz andere Menschen jetzt, wollen nicht mein Buch, sondern mich, sie wollen Blut sehen. Die TV-Gluckse eine Gladiatorin, der Pöbel kreischt. / Ich befasse mich mit Ziegenzucht! / Los, gibs ihnen, wovor fürchtest du dich? Du hast nichts zu verlieren, alles zu gewinnen, nichts zu verstecken und vor allem Recht. - Dein Meisterlächeln wieder. / Nur auf dem Klo darf man halbwegs nichts tun. / Gardinen mit Hämorrhoidenmuster. / An diesen Mundwinkeln möchte ich mich und meine ganze Generation anseilen. Überhaupt: in Eile untergehen, und ja, in Absinthe baden, bis die Stunden schwinden. / Östlich des Äquators eine Stimme finden (gemeint natürlich: die Indifferenzlage). / Es hilft das Meiste nicht / ... / 02:36 Uhr (auf Sir Arthurs Toilette) / Fragmente aus einem Februar. Ich war dieses Jahr schon mal glücklich.</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://jequetepeque.twoday.net/topics/Nachtexpress&quot;&gt;Nachtexpress&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2008-10-13T21:16:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5235339/">
    <title>Ich brate einen Fisch</title>
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    <description>An einem Bach mottet ein kleines Feuer aus feuchtem Holz. Auf drei Seiten ist die Lichtung von Felsen eingeschlossen, der Bach verschwindet in einem endlosornamentalen Wald, Wald auch auf den Klippen. Nirgendwo kann man den Himmel sehen ausser hier, nirgendwo hört etwas auf. Wenn ich mich allein aufmache, werde ich mich selbst nie wieder finden. Ich habe mir ein Notbiwak aus Zweigen und Blättern gebaut. Trotz des Wasserfalls höre ich jedes noch so leise Knacken im Gehölz, denn ich warte auf zwei, die mich suchen: voller Hoffnung auf den Freund, voller Furcht auf den Verfolger. Ich habe hier etwas Wichtiges erledigen müssen, ich weiss nicht mehr was und auch nicht, wie ich hierhergekommen und wie lang ich schon hier bin, es gibt ja Wasser und Fisch und Pilz genug. Der Freund kennt sich hier aus und wird mich aus dem Wald führen, aber er hat sich verspätet. Auch der Verfolger scheint aufgehalten worden zu sein. Die Szene plagt mich von Tag zu Tag ärger, weil ich nämlich vergessen habe, wo und wann das geschah, im Wach, im Traum, in einem Buch, in einer endogenen Prophezeiung oder damals, als ich kurz tot war, obwohl ich mich nur an die Stille Schwarz erinnern kann. Zwar bin ich guter Dinge. Der Freund wandelt Gestalt andauernd und wird immer mehr der, den ich mir zum Geleit wünsche mit Kopfkissen und allem. Der Verfolger wächst gemeinsam mit mir; gierige Erregung, Adrenalin unter dem Zungenrand. Aber ich brauche Zugang, ich muss wissen, woher das kommt, wohin das führt. Ich kann doch nicht alle Bücher wiederlesen, die ich je las und alles Leben wiederleben, das ich je lebte und alle gebratenen Fische wiederträumen, die ich je träumte! Gschweige denn alles lesen leben träumen, was ich jemals lesen leben träumen werde.  Ich muss es wissen! Sonst findet mich weder der eine noch der andere und täglich wuchert der Wald weiter als die Ränder und bald kann ich auch mit offenen Augen nichts anderes mehr sehen als das.</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://jequetepeque.twoday.net/topics/Nachtexpress&quot;&gt;Nachtexpress&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2008-10-04T20:24:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5228840/">
    <title>Es tut mir leid</title>
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    <description>Vor ungefähr einer Dekade schlug ich eines Morgens die Augen auf und erblickte ein schwarzes Gewusel auf dem Holzboden. Es sah beruhigend aus. Ich schlief noch einmal ein. Später war der bewegte Streifen immer noch da. Auf allen Vieren kroch ich heran und stellte fest, dass Ameisen eine Strasse mitten durch mein Zimmer gebaut hatten. Ich schaute sehr lange zu und war - ich weiss nicht warum - irgendwie stolz. Mit weissem Klebstreifen markierte ich den Verlauf der Strasse, damit ich auch ohne Brille oder im Dunkeln nicht drauftreten würde. Staubsaugen war mit Freuden tabu.&lt;br /&gt;
Eines Abends sass ich am Tischchen in der anderen Ecke des Zimmers und merkte, dass die Ameisen ihr Verkehrsnetz ausgebaut hatten. In schiefem Winkel zur Bettsrasse verlief nun die neue Tischstrasse. Sie wirkte elegant, diese Zimmerunterteilung, ich glaube, dass die Ameisen Goldene Schnitte verwendeten.&lt;br /&gt;
Inzwischen hatte ich auch herausgefunden, dass sie ihr Nest irgendwo in den Büschen ums Haus hatten, denn sie kamen durch die undichte Balkontür herein, und man  konnte ihre Strasse der Fassade entlang bis ins Erdgeschoss hinunter beobachten.&lt;br /&gt;
Besucher waren jeweils entsetzt. Warum ich nichts dagegen unternähme? Ich hätte nicht gewusst weshalb. Ameisen stinken nicht, vergreifen sich nicht an Büchern und Kleidern, machen keinen Dreck; im Gegenteil, sie kramen alles zusammen, was man hat fallenlassen. Wir hatten eine wunderbare Zeit, die Ameisen und ich. Irgendwann richteten sie eine dritte Strasse ein. Diese reichte bis in die höheren Lagen der Kochnische. Aber respektvoll liessen die Ameisen meine Vorräte unangetastet; nur das Kochen wurde etwas umständlich.&lt;br /&gt;
Dann verreiste ich für ein paar Tage. Und plötzlich kriegte ich es mit der Angst: die Ameisen allein in meinem Zimmer? Ich kaufte eine rote Büchse, in die man ein Loch bohrt, woraus sich die Tiere den Köder holen, ihn in ihr Nest schleppen und damit den Nachwuchs und die Königin vergiften - fieser als ein Trojanisches Pferd. Zitternd stellte ich die Dose an die Kreuzung der ersten beiden Strassen. Keine Ameise ging hinein, und ich war froh. Ich nahm den Rucksack und ging. Die Reise konnte ich überhaupt nicht geniessen. Andauernd dachte ich an die Ameisen und hoffte, dass sie das Gift nicht anrührten. Ich war krank vor Sorge und Scham und Trauer.&lt;br /&gt;
Als ich zurückkehrte, wagte ich mich nicht in die Wohnung und trank mir zuerst in einer Bar Mut an. Mit revoltierendem Magen trat ich schliesslich ins Zimmer und war - allein. So allein wie nie zuvor. Die Strassen waren verschwunden, als hätten sie nie existiert. Die rote Büchse hatte kein Gewicht mehr. Die Nacht verbrachte ich auf dem Balkon und stierte Löcher in die Fassade, in der vergeblichen Hoffnung, eine einsame Ameise auf einer Duftspur zu entdecken. Nichts. Nicht einmal tote Ameisen, sie hatten mein Schlachtfeld selbst aufgeräumt. ... Warum hatte ich das getan?! Wir hatten friedlich in dem Zimmer zusammengelebt; sie bezahlten keine Miete, aber ersparten mir das Putzen. Anstelle des Gifts hätte ich ein paar Küchenbehälter kaufen können, wenn ich den Ameisen schon das bisschen Futter missgönnte. Ich hatte allen Grund gehabt, ihnen zu vertrauen. Stattdessen habe ich sie auf die hinterhältigste Weise umgebracht, die man sich vorstellen kann.&lt;br /&gt;
Ich kann mir das bis heute nicht erklären. Überall, wo ich seither wohnte, hoffte ich, dass Ameisen einziehen würden, dass die Ameisen der neuen Gegend noch nichts gehört hatten von meinem grausamen Massenmord. Aber sie wissen es, wo auch immer ich hinkomme. Wenn ich im Wald eine Ameise treffe, wird mir miserabel zumute, und es fällt mir immer nur das ein: Es tut mir so leid!</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://jequetepeque.twoday.net/topics/Nachtexpress&quot;&gt;Nachtexpress&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2008-10-01T14:34:00Z</dc:date>
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    <title>Bouvetøya</title>
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    <description>Die Suche nach einem Basislager erweist sich als schwieriger, als ich dachte. Mein Favorit Spitzbergen ist auf der Hitliste ein paar Ränge abgestiegen, weil man dort angeblich ein Gewehr braucht, um spazieren zu gehen. Ich habe aber keinen Bock, Eisbären umzulegen. Schade, mir hätten das Klima und die Steuerfreiheit gefallen. Vielleicht ist Bouvetøya (Bouvetinsel) eine Option. Sie beherbergt keine Eisbären und erfüllt alle wichtigen Kriterien: Jahresdurchschnittstemperatur -1,5°C und kaum je über 2°C, ein kleiner Hausberg namens Olavtoppen und gewaltiger Umschwung von 49 km², über 90% der Fläche vergletschert, freundliche und wohlschmeckende Tiere wie Pinguine, Robben, See-Elephanten und Seevögel, aber keinerlei menschliche Bevölkerung, nicht einmal Forscher, und auch keine gescheiten Anlegeplätze für Schiffe.&lt;br /&gt;
Als Jean-Baptiste Charles Bouvet de Lozier am 1. Januar 1739 das Felslein sichtete, ohne aber die genaue Lage angeben zu können, hielt man es für das Nordkap der Terra Australis Incognita. James Cook suchte es zweimal vergeblich und bezichtigte Bouvet eines Eisberggespinstes. Erst 1808 fanden Walfänger das Kap Circumcision wieder und verzeichneten es in den Karten, und dann dauerte es nochmals vierzehn Jahre, bis die Insel erstmals betreten wurde. Die Insel war so unattraktiv, dass sich keine der Eroberernationen darum riss; fast widerwillig pflockten die Briten ihre Flagge auf und schoben das Eiland ein Jahrhundert später den Norwegern zu. Diese nennen es bis heute &lt;i&gt;biland&lt;/i&gt;, &quot;Nebenland&quot;, ein abhängiges Gebiet, zu dem man offenbar kaum stehen mag. Südafrikaner und Israelis hätten Bouvetøya einmal ums Haar versenkt mit ihren Atombomben, und niemand hätte wohl darum geweint.&lt;br /&gt;
Ich bin sicher, es wird kein Schwein stören, wenn ich an der Morgenstiernkysten mein Lager aufschlage zwischen Kap Circumcision und Kap Valdivia. Zwar ist die Insel mittlerweile Naturschutzgebiet, aber ich verspreche, eine ordentliche Latrine zu bauen und nur das absolut Notwendige zu jagen. Kein Ranger wird es kontrollieren. Es werden mich nur noch diejenigen besuchen, denen es bitterernst ist und die den Preis meiner Zeit respektieren. Es besteht sogar die Chance, dass die Insel wieder vergessen geht und als Phantasieeisberg abgetan wird. Und selbst wenn nicht; Bouvet ist der einsamste Fleck der Erde: nach allen Richtungen über 100 Seemeilen vom Festland entfernt. Für mich ist Bouvetøya, was Island für Ortelius war. Endlich allein mit meinen Ungeheuern!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;281&quot; alt=&quot;monstermap&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/jequetepeque/images/monstermap.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Abraham Ortelius: Islandia, 1587/91. (&quot;Monsterkarte&quot;)&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://jequetepeque.twoday.net/topics/Nachtexpress&quot;&gt;Nachtexpress&lt;/a&gt;</dc:subject>
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    <dc:date>2008-09-29T13:50:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5208947/">
    <title>Gelbe Punkte</title>
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    <description>Überall! Auf den knuddligen Ästen (&quot;Ästen&quot;??) des Kaktus, ohne den ich sehr traurig wäre, aber ich weiss nicht, wie ich ihm helfen kann. Alpenbitter spuckt er wieder aus. Gelbe Punkte auf dem Email der Badewanne (ich wette, 98% aller Leser haben jetzt e-Mail gelesen, es passiert mir auch und ärgert mich sehr; ich!, die ich noch auf Email-Töpfchen Ins-Töpfchenmachen lernte). Die gelben Punkte auf dem Fleischkäse könnten der Grund sein, dass ich schon seit Stunden das Gefühl habe, gleich kotzen zu müssen, ohne es bisher zu können. Wenn ich mir meine Hochzeit mit dem &lt;a href=&quot;http://jequetepeque.twoday.net/stories/4772430/&quot;&gt;Gotenkönig Gahlarich&lt;/a&gt; vorstelle, sehe ich mich in einem vigoletten Kleid aus Samt, und sogleich wachsen vom Goldrand her blümchenartige gelbe Filzpunkte über das ganze Gewand und all die pathetische Feierlichkeit geht flöten und Gahlarich will mich sofort nicht mehr und die Krieger schütten das Bier in den Schorrgraben. Am schlimmsten sind die gelben Punkte in der Luft, nachdem ich wieder seit Wochen intermittierend schlaflos bin. Kleben die Punkte auf der Hornhaut? Ich sehe in den Spiegel, und natürlich, die gelben Punkte schwimmen auch im Weissen meiner Augen, was nicht angeht, meine Leber und ich sind ein Herz und eine Leber. Immerhin, es war schon mal ärger: vor zwei Jahren verschränkte Morpheus während fast sechs Monaten trotzig die Arme vor mir, als hätte er etwas an meiner Körbchengrösse auszusetzen, und damals verdüsterten sich die Punkte zu olivgrün-burgunder-drecksblau. Sowas möchte ich niemals auf meinem Kaktus oder auf dem Fleischkäse sehen. Ich wiederhole: &lt;i&gt;niemals&lt;/i&gt;!!</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://jequetepeque.twoday.net/topics/Nachtexpress&quot;&gt;Nachtexpress&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2008-09-22T17:49:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5202589/">
    <title>Nemeton</title>
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    <description>Der keltische Druide, so heisst es, kennt den Namen Gottes, spricht ihn aber nicht aus, denn: auch Gott muss geschaffen werden. Alles ist ein Paradoxon, sagt der Druide, die Einheit vielgestaltig und der Tod die Mitte eines langen Lebens. Das Schicksal der Wesen und Dinge ist vorherbestimmt, da muss nun jeder selber gross sein und ihm eine andere Wendung geben. Ein Vergehen begeht nur derjenige, der nicht fähig ist zu leisten, was ihm aufgetragen. Es gibt viele Berufene, aber nur wenige Auserwählte. Jenseits des Wirklichen ist kein Anderes, die Wahrheit weder absolut noch offenbar. Und Gott, sagt der Druide, der grosse Gott ohne Namen kann ohne seine inneren Widersprüche nicht existieren, insbesondere nicht ohne seine Schöpfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.bhm.ch/de/ausstellungen_01a.cfm&quot;&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;258&quot; alt=&quot;Artio&quot; width=&quot;300&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/jequetepeque/images/Artio.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Dea Artio, Göttin in Bären- und Menschengestalt, Bern um 200 u.Z.&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://jequetepeque.twoday.net/topics/Nachtexpress&quot;&gt;Nachtexpress&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2008-09-19T16:14:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5173631/">
    <title>Temüdschins Erben</title>
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    <description>Beim &lt;i&gt;Eriin Gurwan Naadam&lt;/i&gt; (&quot;Die drei männlichen Spiele&quot;) messen sich die Mongolen alljährlich im Ringkampf, im Bogenschiessen und im Reiten, wobei ausser am Ringkampf auch die Frauen teilnehmen. In einem der &lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=zx9vZAlJ0T4&quot;&gt;Distanzrennen&lt;/a&gt; reiten Kinder von vier bis zwölf Jahren über eine Strecke von dreissig Kilometern. Die fünf ersten Pferde, die ins Ziel einlaufen, sind die gleichberechtigten Sieger. Das gilt auch für Pferde, die ihren Reiter unterwegs verloren haben. Ich weiss nicht, warum mir das die Tränen in die Augen treibt.&lt;br /&gt;
Der Khan selbst soll einer Verletzung erlegen sein, die er sich bei einem harmlosen Reitunfall auf einem Jagdausflug zuzog. Die Legende verschweigt diese peinliche Geschichte. Aber die Legende sagt auch: das Pferd, das ohne Reiter zur Jurte zurückkehrte, war ein Apfelschimmel.</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://jequetepeque.twoday.net/topics/Nachtexpress&quot;&gt;Nachtexpress&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2008-09-06T21:12:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5171513/">
    <title>Schere Stein Papier</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/5171513/</link>
    <description>&quot;Ich frage und frage&quot;, klagte die Schildkröte, &quot;und je mehr ich frage, umso lauter schweigt es.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Könnte es denn nicht sein&quot;, fragte das Kamel, &quot;dass du, weil du so viel fragst, nicht hörst, dass es jemanden gibt, der dich fragt und fragt und vergebens auf deine Antwort wartet, und dass deine Fragerei in seinen Ohren wie lautes Schweigen klingt?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Aber warum, warum nur antwortet denn niemand?? ... Was hast du gesagt?&quot;, die Schildkröte.&lt;br /&gt;
&quot;Ich habe dich etwas gefragt! Warum antwortest du mir nicht?&quot; - Das Kamel liess indigniert die Unterlippe hängen und zwinkerte mit einem Auge.&lt;br /&gt;
&quot;Das war aber eine dumme Frage, wolltest du darauf im Ernst eine Antwort?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Nein&quot;, sagte das Kamel, &quot;ich hoffte, dass du klügere Fragen stellst. Es gibt doch so viele, und dann legen sie auch noch massenhaft Eier wie die Schildkröten. Die Antwort ist langweilig, es gibt nur eine, und jedesmal bringt sie sich um.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Ja&quot;, grunzte die Schildkröte und legte den Hals in Schleifen, um ihn in den Panzer zurückzuziehen.&lt;br /&gt;
&quot;Siehst du.&quot; Das Kamel steckte den Kopf zwischen die Höcker (was eigentlich nicht geht, da das Kamel ja ein Dromedar ist).&lt;br /&gt;
Dann schwiegen sie.&lt;br /&gt;
Das Schweigen wurde leiser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Stell dir jetzt vor, alle Fragen wären Güterzüge nach Wladiwostok und die Antworten Güterzüge nach Moskau. Wenn Schildkröten, Menschen und Götter immerzu nur fragen und nie antworten, dann verrostet nicht nur das Rollmaterial in Wladiwostok, es sammelt sich dort das gesamte Multiversum an, verdichtet zu einem Schwarzen Loch, und in Moskau entsteht ein explosionsartiges Vakuum, dem niemand zu nahe kommen möchte. Durch den generellen Ostdrall und den Sog der Implosion in Wladiwostok wird es immer schwerer, westwärts zu fahren. Es wäre an der Zeit, mit Antworten um sich zu werfen, dann mal sehn, wohin sich Transsibirien entwickeln würde. Aber eben, es ist zu langweilig! Und, paradoxerweise, zu schwer, zu aufwärts.)</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://jequetepeque.twoday.net/topics/Nachtexpress&quot;&gt;Nachtexpress&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2008-09-05T14:59:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://jequetepeque.twoday.net/stories/5157013/">
    <title>Dann gabeln wir uns doch</title>
    <link>http://jequetepeque.twoday.net/stories/5157013/</link>
    <description>Dass man sich das eigene Kind nach dem Baukastensystem zurechtstückeln kann, ist bereits Realität, sei es, weil man blaue Augen vorzieht oder Ersatzteile für ein anderes Kind braucht. Die Ethiker und Philosophen hinken hinterher, das liegt in der Natur der Sache, denn es ist ja auch schneller gekocht als verdaut, schneller getan als gedacht. Derweil rennt das Geld voraus. Was man bezahlen kann, ist auch machbar. Was machbar ist, wird gemacht. Was implizit erlaubt ist sowieso, was explizit verboten ist, kostet einfach ein bisschen mehr. &quot;XXX kann man nicht kaufen&quot; - das gilt für keine 5 Dinge, man schlägt mit dem Spruch nur um sich, um die Armen bei Laune zu halten.&lt;br /&gt;
Inzwischen rege ich mich darüber höchstens noch lauwarm auf. Ich verkompliziere mir das Leben mit allerlei Ehrencodices, werde dementsprechend öfter verarscht als diejenigen, die über Leichen gehen, und bin mir bewusst geworden, dass einem niemand danke sagt für den Versuch, ein anständiger Mensch zu sein. Die Codices dienen allein mir selbst (mit diesem Wissen machen sie schon fast wieder Freude).&lt;br /&gt;
Sie tobt sich also bereits auf den Spielplätzen aus, die &lt;i&gt;in-vitro&lt;/i&gt;-Brut, die man in den USA &lt;i&gt;&quot;upgraded children&quot;&lt;/i&gt; nennt. Der Druck auf Eltern wird steigen, denn wer will es in Zukunft seinen Kindern antun, krude konventionell Gezeugte unter den Hochgetunten mit meilenweitem Vorsprung zu sein? Immer mehr Leute werden &quot;es&quot; tun (oder es nicht mehr tun, sondern den Nachwuchs schütteln und rühren auf Eiswürfeln). Jedoch wie immer nur diejenigen, die es sich leisten können. Ein bisschen kann man noch darauf vertrauen, dass vorerst mehr auf Schönheit, Muskulatur, Magerkeit, sportliche Leistung, Gesundheit, Langlebigkeit selektioniert wird als auf Intelligenz (da schlägt das Tierzüchterherz in mir höher! ... mit Ausnahme der Magerkeit), die &quot;Beta-Version-&lt;i&gt;Upgrades&lt;/i&gt;&quot; werden sicher noch eine Weile hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt sein.&lt;br /&gt;
Denken wir aber weiter: die ganzen brandneuen netten &lt;i&gt;Features&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Gadgets&lt;/i&gt; werden mehr Raum auf der Festplatte brauchen. Spätenstens ab Version 4.0 muss ein zusätzliches Chromosom eingebaut werden. Und dann ist es passiert: &lt;i&gt;Ugrades&lt;/i&gt; und konventionell Gezeugte lassen sich nicht mehr kreuzen, sie sind weiter voneinander entfernt als Esel und Pferd, nicht einmal sterile Hybride (Maulmenschen) sind drin. Das heisst im Klartext: die Menschheit wird sich in zwei Species aufspleissen. Und dann was ...?&lt;br /&gt;
Ist es pervers, mir zu wünschen, das noch (wenn auch unter Schmerzen) mitanzusehen? Es ist zu interessant, um es zu verpassen. Allein schon die neuen Namen möchte ich hören, ich hoffe doch traditionell nach Linné.</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 La Tortuga</dc:rights>
    <dc:date>2008-08-29T16:38:00Z</dc:date>
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    <title>Kuckucksbruder</title>
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    <description>Eines Abends erklärte meine Mutter, sie habe die Treppen satt und sie gehe jetzt. Sie ging wirklich, aber vorher sagte sie noch zu meinem Vater, dass ich nicht seine Tochter sei. Dann lief sie polternd alle 39 Stockwerke hinunter und verschwand zwischen den Klippen. Nun war ich allein mit nicht meinem Vater, dem Leuchtturmwärter.&lt;br /&gt;
Doch nicht für lange. Derjenige, der mein Bruder zu sein hatte, wurde in einem gelben Gummiboot auf den Strand gespült. Mit seinen Messinglocken und den möwenkackgrauen Augen sah er aus wie der König Artus im Kindergarten. Er hielt Hof im 25. Stock, im schönsten und grössten Zimmer, weil der Leuchtturm da am dicksten war.&lt;br /&gt;
Ich hackte von früh bis spät Brennholz und trug es die Treppen hinauf für das Leuchtfeuer. Dem Knaben wies der Leuchtturmwärter leichte Arbeit zu, indem er ihn an der Strasse, wo die Landzunge am Festland angewachsen war, aussetzte. Dort musste der Kleine ein bisschen weinen, verloren tun  umso besser, wenn es regnete! , die Frauen bei der Hand fassen, die sich zu ihm niederbeugten, und sie zum Leuchtturm lotsen, wo sie, aufgeweicht vom heulenden Kind und mattgesetzt von der Szenerie, dem Leuchtturmwärter seufzend in die Arme sanken. Mit jedem Fang machte sich mein Kuckucksbruder breiter auf unseren Wendeltreppen.&lt;br /&gt;
Schliesslich hackte ich ihm den Daumen ab. Der Vaterzorn legte sich, als sich herausstellte, dass ein verletztes Kind ganze Herden von Frauen wie Schafe zusammentreiben konnte. Solcherart ermutigt griff ich zum zweiten Mal zur Axt und verkürzte den Bruder um eine ganze Hand. Der Knabe blutete, es regnete, die Jagd war über alle Massen gut. Mitten in all dem Trubel, belagert von liebestrunkenen Touristinnen, warf mir der Leuchtturmwärter einen komplizenhaften Blick zu, und ich dachte: Vater.&lt;br /&gt;
Beim dritten Mal ging ich zu weit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;(12. Juli 2008 anlässlich einer Werkstatt, mit dem Auftrag &quot;eine Seite über die Eifersucht unter Geschwistern&quot;)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
! ADDENDUM: Verehrte heimliche &amp; unheimliche Feed-Abonnenten. Ich habe jetzt einen Marmorsteinbruch, der womöglich funktioniert (&lt;i&gt;with&lt;/i&gt; abartig &lt;i&gt;lots and lots of help of my friends&lt;/i&gt;). Bitte ändert, wenns nicht zu umständlich ist, Euren Feed, ganz unten links unter &quot;Grüner Marmor&quot;; sowas haben Geologen und Steinmetze noch nicht gesehn! An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich für Eure Treue; kann dafür leider keine Punkte, Rabatte, Gutscheine etc. verteilen, weiss sie deshalb aber umso mehr zu schätzen. Über Fiidibäcki freue ich mich jederzeit. Achtungsvoll, La Tortuga</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
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    <title>déformation professionelle</title>
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    <description>Botaniker haben Waden vom Kauern,&lt;br /&gt;
Zoologen Ellenbogen vom Lauern.</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
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    <title>Gegenzauber</title>
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    <description>Die Zeit hat mich nicht im Griff. Sie kommt zu nichts. Immer ist sie zu früh oder zu spät da. Der Raum verirrt sich in mir, findet mich nie. Ich erschrecke die Menschen, weil ich ihnen zu still bin. Indem sie mich invadieren, laufen sie ins Leere und ersticken an ihrer Scham. Die Traurigkeit überschreitet ihre Kompetenzen und begeht den dümmsten Fehler, der einem Parasit unterlaufen kann: sie tötet ihr Wirtstier. Alles, was an mir nagt, vergiftet sich an meinem Fleisch. Das Geld flieht mich, denn ich begehre es, ohne es auch zu achten. Böse Worte Respektlosigkeiten Demütigungen versinken in meinem Gekröse und zappeln dort hilflos wie Fliegen im Spinnennetz. Eine freundlich fragende Augenbraue und ein Lachen tief wie der Tunguskakrater und breit wie der Rhein am Nabel gemessen kleiden mich transantarkistauglich, der wohlwollende Blick dazu bändelt Bordüren an diesen Grizzlypelz, für die man sich auf einem Wiener Kaiserball nicht schämen müsste (oder wie immer man das nennt, ich meine da, wo Schönere als ich Strauss walzen und die Donau austrinken und all das). Die Nacht, mein einziger Freund, schmiegt sich an meine Rückseite, wickelt mich in die tintenfleckigen Tentakel mit den Sternsaugnäpfen, legt mir die Mondsichel um den Bauch, atmet ruhig in mein Nackenhaar, und es scheint, dass ich noch Wärme abgebe, denn die gute Nacht wird länger. Nun fast schon wie ein Liebesschwur tropft mir noch der Bannfluch von den Lippen: FUVVDN! FinerdeyN! Hinweg!</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
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    <dc:date>2008-07-07T18:42:00Z</dc:date>
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    <title>Gestern</title>
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    <description>Morgens empfing ich eine Schwertwunde mit vergifteter Klinge von einem, den ich auf die Eine Art liebe, und abends setzte mir einer, den ich auf die Andere Art liebe, den Heiligen Gral an die Lippen, den Hydromel zu teilen (ein aufrichtiges &quot;es-interessiert-mich-wie-es-dir-geht&quot; und ein Antwortdaumen, sie sind merkwürdig, die unwillkürlichen Gesten; wir federlichten Gladiatoren entscheiden selbst, wohin der richterliche Daumen weist, nicht wahr?). Beides traf natürlich mitten ins Herz. Die Kunst bestünde nun darin, das vergiftete Herz, das sich im plötzlichen Schmerz auf einen Punkt unendlicher Masse ohne Ausdehnung zusammengekrampft hat, wie eine Zunge wieder auszurollen, um auch den letzten Tropfen aus dem dreibeinigen Kessel noch aufzulecken (denn davon werde ich lange leben müssen). Ich glaube, es gelingt mir nur halb, aber immerhin ist die Sepsis eingedämmt. Dem, den ich auf die Eine Art liebe, ist vergeben, immer schon im Voraus vergeben, aber ich bin des Vergebens so müde; umso mehr, als mir nicht vergeben wird. Ich wüsste nicht, welchen Kredit ich noch gewähren könnte, wenn es nichts mehr anzuschreiben gibt. Dem, den ich auf die Andere Art liebe, ist gedankt, jederzeit gedankt. Ich wünsche mir jenen ferner, und mir diesen näher zu wünschen, ist nicht erlaubt, das ist die Verantwortung der Quête, die ich gerne trage. Es wäre im Augenblick besser für mich, hauptsächlich auf die Andere Art zu lieben. Hätte ich die Kraft ...&lt;br /&gt;
Jetzt lege ich mich wieder hin, die Melancholie attaggirt mich und meine Materie pulst taub. Ich gedenke, abends nochmals aufzustehen. Und welch schönen Rucksack dieser trägt, ich möchte einen stummen Stein hineinlegen.</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
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    <dc:date>2008-07-03T09:21:00Z</dc:date>
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    <title>Mein Ventilator und ich</title>
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    <description>Ich halte es nicht mehr aus. Vor dem Sommer fange ich bereits im Februar zu zittern an und wünsche mir November, November, November. Nur etwa vier Monate im Jahr ist mir in diesen Breiten halbwegs wohl, und nur im November richtig walrosswohl. Zwischen -19°C und 13°C liegt die Temperatur, bei der ich arbeiten, schlafen, lieben, essen, spazieren kann mit allem, was mir zur Verfügung steht. Bis -42°C ist keine wesentliche Einschränkung der Vitalfunktionen zu beobachten (darunter habe ich keine Erfahrung), wenn es auch minim ungemütlich ist. Alles ab 14°C ist eine Zumutung, ab 22°C werde ich ernsthaft krank. Selbst das grosse Abspecken vor fünf Jahren hat die Lage nicht verbessert: die Hitze ist kein Mü erträglicher geworden, zu allem Überfluss verschlechterte sich meine ausgeprägte Kältetoleranz merklich, und auch dass die Leute mir keinen Platz mehr machten, verstörte mich am Anfang gewaltig. Umso mehr wird man noch mit dem sommers ohnehin schon ohren- und nasebetäubenden Lärm und Mief belästigt. Etwas, das dermassen unangenehm ist wie Schwitzen kann überhaupt nicht gesund sein - ich bewege mich zwar regelmässig, aber nie so schnell, dass ich ins Schwitzen gerate. Prinzip Schildkröte; nicht umsonst werden diese Tiere (individuell und erdgeschichtlich) so alt. Und jetzt, bereits wochenlang, wäre es Selbstmord, mich noch vom Fleck zu rühren. Ich kann es gar nicht mehr, ich knülle mich katatonisch in eine triste Ecke. Seit über einem Monat habe ich nie länger als vier Stunden am Stück geschlafen. Das einzige, wozu ich mich noch zwinge, ist das Schreiben. Der kleine Tischventilator, den ich zum Kacken  extra in die Toilette rüberzügle (damit ich auch ein wenig zum Lesen komme), macht diese unmenschliche Anstrengung möglich. Aber wer kann schon bei Tageslicht schreiben ... Wer schlafen ... Wer sich wie ein Mensch fühlen, wenn die Nacht nur ein Augenzwinkern dauert. Ich werfe Falten, denn ich habe  niemals Durst. Heute habe ich einen halben Liter Wasser getrunken, für meine Verhältnisse eine inwendige Überschwemmung, und auch dazu musste ich mich überwinden. Schwach kann ich mich erinnern, dass ich als Kind dauernd durstig war, besonders auf den Gewaltsmärschen irgendwelchen Walliser Südhängen entlang, und für zwei Kinder war immer nur eine kleine Feldflasche dabei, wir waren ja eben klein. Es war wie in der Fremdenlegion, ich fühlte mich wie ein Held und genoss den Durst. Jetzt ist er mir abhanden gekommen. Über kurz oder lang werde ich fliehen müssen; sobald es finanziell und logistisch möglich ist. Ich habe gelesen, dass man auf Spitzbergen keine Steuern bezahlt und sich ohne Visum niederlassen darf. Nur ein paar verstreute Menschenseelen, entweder Wind oder Stille, Eis, Eisbären und Schnee; und die paar viel zu langen Mittsommertage werde ich halt durchsaufen müssen mit etwas, das leichter runtergeht als Wasser.</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
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    <dc:date>2008-06-27T19:23:00Z</dc:date>
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    <title>Delphi revisited</title>
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    <description>Meine letzte Destination ist Delphi. Ich weiss, was das Orakel mir sagen wird: der Mensch ist des Menschen Orakel; nur du, du wirst kein Lagerfeuer finden, an dem man dir die Kumys-Schale reicht. Danach werde ich die Strasse hinauf und hinunter gehen, hinauf und hinunter, hinauf und hinunter. Und wo ich wende, kehrt auch der Wind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Und so oft ich pilgere, die Prophezeiung bleibt immer dieselbe. Ganz so, als dürfte man nur einmal würfeln. Meine Runenknochen aber sind getürkt, die Blätter an meinen Schultern zu Flügeln zu wenden. Und was ich auch wende, so dreht der Wind.)</description>
    <dc:creator>La Tortuga</dc:creator>
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    <dc:date>2008-06-25T19:57:00Z</dc:date>
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