Postalberatung

2
Nov
2009

Witwe werden

Mein Nimbus schillert noch nicht bunt genug. Der reicht keine 3x um die Hüfte herum. Deshalb will ich (unter anderem) Witwe werden. Es soll aber niemand zu diesem einzigen Zwecke zu Tode kommen. Über Leichen gehen - denn das gehört zum Nimbus - kann ich ja trotzdem: ich werde einen Toten heiraten.

Fragen an die Justiz: das geht recht unkompliziert, oder? Muss der Bräutigam persönlich auf dem Zivilstandsamt erscheinen? Kann allenfalls ein gesetzlicher Vertreter (z.B. sein Urururenkel) an seiner Statt unterschreiben? Ist der Bräutigam rechtlich gesehen Witwer und somit wieder heiratsfähig, obwohl seine ebenfalls tote erste Ehefrau nach ihm gestorben ist? Wie bekomme ich mein Erbteil von den bisherigen Erben (z.B. Urururenkeln) zurück? Erhalte ich durch die Heirat automatisch seine Staatsbürgerschaft?

Fragen des Benimm: die Sympathie ist zweifellos gegenseitig; aber in seinem Zeitalter ist es bestimmt ein no-go, dass die Frau den Antrag macht. ... Soll ich trotzdem?! (Ich fürchte drum, dass ihm die Idee noch nicht gekommen ist; soll ich denn ewig warten?) Muss ich den Bräutigam wirklich küssen? Wo schaufle ich unauffällig sein Stück Hochzeitstorte hin?

Weitere Fragen an die Justiz: Ist seine erste Ehefrau mir wieder gleichgestellt, sobald ich sterbe? Wird unser Gemahl dann zum illegalen Bigamisten? Dürfen wir ihn im Gefängnis besuchen? Kann ich mich notfalls (lebend oder tot) von einem Toten scheiden lassen? Kann ich, wenn ich tot bin, einen Lebenden heiraten?

14
Okt
2009

Bitte freimachen

Etwas, worüber ich mich endlos wundere: dort, wo man die Briefmarke hinkleben soll, steht: "Bitte freimachen". Freilich steht das nur in komischen Ländern dort, wo man die Marke hinkleben soll. Hier (womit ich nicht sage, die Schweiz sei kein komisches Land, nur anders komisch) steht: "Bitte frankieren". So weiss man fadengrad, was man zu tun hat, meistens ist sogar noch ein markengrosses Rähmchen aufgedruckt (in komischen Ländern glaub nicht). Gerade habe ich wieder so eine Antwortkarte aus einem komischen Nachbarland auf dem Tisch. Diesmal werde ich die Marke nicht auf die Bitte kleben, sondern nebendran, und unter die Bitte schreiben: "Darf ich die Socken anbehalten, Doc?" - Dann merken die vielleicht mal, dass es komisch ist, schriftlich jemanden aufzufordern, freizumachen.

Addendum: Der Soundtrack zu dieser Merkwürdigkeit.

8
Okt
2009

Umwägä schufte

Dieser Tage ist es eine meiner Hauptaufgaben, Umwege zu schuften, mehr noch als sonst. Denn es gilt, neue Schuhe einzulaufen, ein Vergnügen, das mir die letzten paar Jahre nie vergönnt war und mich nun umso mehr fasziniert.
Umwägä schufte, das ist einer dieser vielen Ausdrücke der Grosselternzunge, die mich immer wieder verzaubern. Schuften als Verb bedeutet ja harte Arbeit, und zwar körperliche, es riecht nach Schweiss. Ich glaube aber, es klingt in dieser Formulierung auch der Schuft an, die Tätigkeit eines Schufts. Wer also Umwege macht (wie jämmerlich blass: "Umwege machen"!), der verdient sich einerseits Ehre durch redliche Arbeit und ist andererseits ein Gauner, vermutlich weil er Zeit vetrödelt, anstatt stracks am Arbeitsplatz sich einzufinden. Schon als Kind verkörperten mir die Umwege beide Aspekte: das Ruhmvolle des unerschrockenen Entdeckens; Gefahren lauerten an jeder Ecke, und mich reute weder meine Haut noch die Zeit; und zugleich der Reiz des Verbrechens, denn ja, es war ein streng geahndetes Verbrechen, zu spät in die Schule oder nach Hause zu kommen. Mein Schulweg, im Grunde nur 1km lang, war ein unendlicher Umweg, jeden Tag neu, und ich schuftete ihn mit Leidenschaft. Dann beugte ich schuldbewusst das Haupt und versteckte meinen Triumph, wenn es auf mich herabdonnerte: "Hesch wider Umwägä gschuftet?" - Umweg verhält sich zu Weg wie der Freibeuter zum Admiral ohne Kaperbrief. Abweg verhält sich zu Umweg wie der Pirat zum Freibeuter.
Ein anderes derartiges Wort (die Assoziation wird vom Schuft heraufbeschworen) ist tüüssele: sehr leise gehen, schleichen. Im Gegensatz zum Schleichen aber hat das Tüüssele gar nichts Perfides oder Feiges, sondern einen respekt-, ja liebevollen und womöglich auch humoristischen Unterton. Man geht auf Zehenspitzen, um einen Schläfer, den man sehr gern hat, nicht zu wecken. Ein Dieb mit Ehre im Leib schleicht durchs Haus und nimmt nur die Hälfte des Bargeldes aus der Kaffeedose mit. Vielleicht hinterlässt er zum Trost sogar einen Strauss Gänseblümchen, den er auf der taunassen Wiese gepflückt hat, bevor er das Schloss aufbrach (so vorsichtig, dass man es noch reparieren kann).
Und was nun die neuen Schuhe betrifft: ich verstehe einfach nicht warum, aber ohne Blasen geht es nie ab (Massnahmen: am ersten Abend mit Nadel und Faden Drainage legen; morgens Pflaster kleben, damit kein Blut im neuen Schuh ist, und dann wieder ab auf die Piste, jeden Tag, bis auf der Blase dicke Hornhaut gewachsen ist; danach will man nie wieder ohne diese Schuhe begraben werden!).
Noch weniger verstehe ich, dass immer nur ein Fuss Blasen wirft. Jetzt stelle ich mit Entsetzen fest, dass mir ein Überbein wächst, da steht ja am verblasten Fuss ein Fersenknochen viel weiter vor als am unversehrten Fuss! Dabei ist das nur die natürliche Asymmetrie, die den ganzen Körper so subtil aus dem Ideal rückt. Eine Hypochondrie, das Überbein, wie all die fürchterlichen Tumore, die bestenfalls kommune Pickel sind. Und wie ich mich darin suhle! Das ganze Leben ein einziger geschufteter Umweg.

16
Sep
2009

Denk einfach an Joghurt

Zum Abwürgen von Lachattacken (die mich oft heimsuchten und es noch tun, mehrmals täglich eigentlich, wodurch ich in den Ruf kam, unter einer "Lachepilepsie" zu "leiden") empfahl meine Mutter stets:

Denk einfach an Brot!

Dann versuchte ich krampfhaft, mir Brot vorzustellen, aber regelmässig dachte es mir mit solcher Vehemenz, als wärs ein Naturgesetz (selbst das gleichzeitige Anstarren eines laibhaftigen Brotes konnte das nicht verhindern):

Joghurt, Joghurt, Joghurt, Joghurt, Joghurt, ...

, und wie es wabbelt und vom Löffel tropft und wie ich mir die Fruchtstücklein über den Latz runtersabbere und all das

, und ich platzte wieder los, schlimmer als zuvor.


Aber die wahre Frage ist eigentlich: was ist denn so schädlich an einer Lachepilepsie?!

20
Aug
2009

Ratschläge zum Stilvollen Örtchen

Nach so und so vielen Entzündungen waren meine Mandeln grösser als B-Brüste und vernarbter als leergeschossene Ovarien. Sie (die Mandeln, nicht die Ovarien, das kommt vielleicht noch) mussten notfallmässig amputiert werden. Ich legte das Operat formalingetränkt in ein spiessiges Marmeladengläschen. Es sah wirklich abartig aus, zwei Aliens, wie sie die Filmgeschichte noch nicht serviert hat; ich konnte selbst kaum fassen, dass ich das ein Viertelleben lang in meinem Rachen herumgetragen hatte. Das Schockerglas stellte ich auf den Spülkasten, und die Wirkung war durchschlagend: wer stehend pinkeln wollte, musste den Anblick für die Dauer eines Wasserabschlagens ertragen können. Dazu brauchts einen ganzen Kerl. Und ein ganzer Kerl kann eben zielen.

Was den Badezimmerschrank betrifft: man sollte ihn, wenn Gäste kommen, mit Pingpongbällen füllen. Ich habe das noch nicht ausprobiert, denn ich kenne mich. Es wäre in erster Linie mir selbst peinlich, wenn ein Schnüffler die Lawine lostreten würde.

29
Jul
2009

Ich habe ihn bezwungen!!

Den Grossen Khumbu-Gletscher nämlich. Es war so wie beim Haareschneiden oder beim Sich-Entschuldigen: man schiebt es hinaus und weiter hinaus, bis man den Zustand ganz plötzlich keine Stunde länger aushält, und dann muss sofort etwas Radikales geschehen.
Heute habe ich eine Badewanne voller Eisschollen, eine Überschwemmung in der Küche und demnächst explodierende Eier, morgen werde ich Muskelkater haben, aber dafür konnte ich endlich mal den ererbten Alpinistenpickel in Betrieb nehmen. Ich glaube, es ist nichts Unersetzliches kaputtgegangen. Natürlich musste mit dem vielen vielen Eis jetzt noch ausgiebig gespielt sein, so VIEL Eis hat man sonst schliesslich nie in der Wohnung (meine Polarexpeditionsschiffe! .. ich spür die Fingerspitzen nicht mehr) - mei, bin ich froh, sieht mir keiner zu - und jeder icebörg musste einzeln durchleuchtet und notfalls zerhackt werden, weil ich hoffte, Mumien und Fossilien zu finden, oder doch zumindest die paprikagefüllte Sardine, die ich letztes Jahr verloren habe. Aber nichts. Nichts als white out bis an die Kacheln... Im übrigen fand ich auch den Kristallisationskeim nicht, hinten dräut nur massives Plastik. Das bedeutet, da die Ursache weiterhin unbekannt bleibt, dass das Gletscherwachstum weiter vonstatten geht. Schon bald stehe ich wieder am Punkt, eine mutige Entscheidung treffen und zum Pickel greifen zu müssen. Es ist nur ein Etappensieg. Und trotzdem bin ich jedesmal richtig unerklärlich stolz auf mich, wenn ich so etwas endlich gepackt habe (es hat immerhin fast eine Viertelstunde gedauert (Pickeln, excl. Spielen und die Sardine suchen!)).
Vielleicht lasse ich dem Gletscher in Zukunft seinen Lauf und schneide ihn nur dort ein bisschen zurecht, wo er sich zur Tür hinausschiebt. Dann kann ich die biederen Regale entfernen und das Futter einfach in die Gletscherspalten einhängen.
Das Beste wäre ohnehin, wenn es niemals wieder Sommer würde. Dann bräuchte man nicht einen Balkon und einen Kühlschrank. Sommer ist überhaupt blöd. Sommer stinkt und blendet. Ich leg mich jetzt in den tristen Rest des Khumbu-Eisfalls.

25
Jul
2009

Findet auch ein Billigschweizer mal ein andres Haus?

Das lockt mich ja schon lang: Deluxe-Aufenthalt wo immer man will, oder wohin es einen zufällig verschlägt. Auf diese Weise könnte man sich das Basislager - und den Kaktus - hüten lassen, während man überall ein Weilchen wie ein Einheimischer wohnt (wie ein reicher Einheimischer allerdings, kommt mir vor...), und alles was man zahlt, sind die Reisekosten. Theoretisch könnte man womöglich die meiste Zeit so leben.
Der Haken ist jedoch: erstens, wer will schon in die Schweiz, wenn nicht grad das Matterhorn vor dem Fenster steht? Zweitens, wer will in so einer Bude wie der meinen urlauben?! Und drittens, wer würde jemandem wie mir seine Villa anvertrauen?? Ausserdem habe ich bisher noch kaum eine Hütte in den Angeboten gefunden, die höchstens drei Zimmer hat, aber grösser fände ich überaus ungemütlich. Die meisten wollen auch das Auto tauschen - bloss welches Auto???
Da will zum Beispiel jemand mindestens einen BMW. Ob ich so einem rumänischen Penthouse-Bewohner Grenzerfahrungsferien vis-à-vis vom Alki-Treff schmackhaft machen könnte?
Oder das, boaaah!!, ein orientalisches Schloss mit Dromedaren (!!) und allem ganz für mich allein!
Es heisst ja in den FAQ, dass man durchaus auch eine bescheidene Unterkunft eintauschen kann, weil es den meisten Tauschern nicht um ***** geht, sondern nur darum, eine andere Ecke der Welt kennenzulernen. Aber ich glaube, dafür müsste man zumindest in einem spannenden Land siedeln ... Keine Chance. Wenn die Mitgliedschaft nicht so teuer wäre, würde ich es aber trotzdem mal versuchen. Immerhin wäre das endlich ein Grund, einmal ernsthaft zu putzen, man möchte sich schliesslich nicht schämen und immer wieder tauschen.

23
Jun
2009

Funktionalität ist Bockmist

Es gibt keinen Zweck und hat keinen.
Die Mittel heiligen sich selbst.

19
Apr
2009

Gute Nacht, einfach so

Unter den Zigilliarden Listen gibt es auch eine mit dem Titel "Was gekauft werden muss", die habe ich umgedreht wie einen bösen Spiegel, und eine andere, die heisst: "Was getan werden will". Sie ist nicht deckungsgleich mit der nervtötenden Pendenzenliste oder den Zielvorgaben im Arbeitsjournal (muhahahaa!), sondern enthält eher ausufernde, unübersichtliche, quallenartige Projekte, bei denen eigentlich nur eine Initialzündung "getan werden" will, und wohin es dann führt ist irgendwie nicht so scharf einzugrenzen (das kann manchmal dumm ausgehen, bzw. eben nicht mehr ausgehen, es ist ... gruslig).
Beispielsweise dies: Eine unbekannte Nummer wählen und sagen "Gute Nacht, bitte erzählen Sie mir eine Geschichte!", oder: "Guten Morgen, darf ich Ihnen eine Geschichte erzählen?" - Es würde mich nämlich interessieren, ob zufällig nicht ausgewählte Menschen da draussen Geschichten aus dem Stegreif können, und ebenfalls, ob es bei diesen Irgendjemändern einen Bedarf für Geschichten gibt. Ob sich wohl wer über sowas freut. Vielmehr aber noch: einfach so. Diese Anrufe wollen einfach so gemacht werden. Viel zu wenig geschieht einfach so.
Warum nur ist dieser Punkt noch immer ungehäkelt? Deshalb, wenn ich ehrlich bin: würde mich jemand am Telefon um eine Geschichte bitten, wäre meine Antwort "und was verdiene ich dabei?", und auf die Frage hin "darf ich Ihnen eine Geschichte erzählen?" wäre ich mir sicher, dass mir schon wieder Desinfektionsspray für den Kühlschrank angedreht werden soll (das sind gar nicht üble Geschichten, die von den unsichtbaren Bakterien - aber Lebensversicherung, da könnte man sich totgähnen!). Ich würde höchst unwirsch auflegen. Falls das alles überhaupt. Ich telefoniere nicht gern, mit Unbekannten erst recht nicht (eben deshalb, weil sie entweder Beamte, Marktforscher, anonyme Perverse oder call agents sind; es gibt heutzutage keine Unbekannten mehr, die die Nerven auf anregende Weise strapazieren).
Zumindest auf diesem Weg blockiere ich also von vornherein alles, was einfach so passieren könnte. Ich überlege mir, diese leidige Sache aus der "Was getan werden will"-Liste zu streichen. Das verkommt sonst zum Muss. Ich will nicht müssen und es wäre mir nicht einfach so genug.

30
Mrz
2009

Pilotversuch in Etikett-Produktion

So lange habe ich mit und für Labels gearbeitet, dass ich mittlerweile vergessen habe, was ein Label sein soll, wozu gut vor allem, was es von der Marke unterscheidet usw. Ich musste das verdrängen. "Label" ist natürlich ein Kapitalistenkonzept, das dazu dient, Einheitsbreipartikel aus dem Einheitsbrei hervorzuheben, um mehr als den Einheitspreis einzuheimsen. Jeder Hersteller lässt von einer Agentur, die ebenfalls ein Label ist, mehrere Labels für ein und dasselbe Produkt designen, um zu vertuschen, dass die sehr teuren Labels im Gegensatz zum einen exorbitant teuren Label keinerlei Standards erfüllt. Es gibt eigentlich kaum noch käufliche Produkte ohne Label, sonst könnte man ja einfach das gewöhnliche kaufen, das nur sich selbst ist ohne Zusatznamen. Wer will sowas schon. Es wird Zeit, dieses intelligente System auch bei der priceless-Ware einzuführen, schliesslich wollen wir den phantasielosen, aber findigen Kapitalisten nichts schenken. Wir schlagen sie mit ihrer eigenen Spatzenkanone: nichts schenken!
Tortuga führt ein Label ein (der Jargon!! Einführen! Der Schlauch beim Einlauf!). Sie nennt es lieber Etikett und führt es nicht ein, sondern extemporiert es. Es hängt am seidenen Faden und garantiert gar nichts: es ist weder ökologisch noch tiergerecht noch sozialverträglich, es besteht aus nichts Reinem und nicht zu 100%, aber es ist doppelcrème, es wurde so ziemlich irgendwo hergestellt, vielleicht ists lang gereift oder auch nicht, kann allergen sein, ist gesundheitschädigend usiwuw. Daraus leitet sich nur ab, dass es kein Etikett für Memmen ist.
Wie die Kapitalisten streiche ich "Mehrwert" und "Zusatznutzen" ganz allein ein (einstreichen!!!): es ist mir nie gelungen, durch Rubriken Ordnung zu schaffen. Ich brauche ein Etikett, um auf einen Griff all die Eisbergstecknadelspitzen zu finden, die in den grösseren Zusammenhang des printgerichteten Hinterkulissen-Werks gehören (Mehrwert). Und dann gibt es tatsächlich Leute, die glauben, ein literarisches Blog sei ein Tagebuch, oder Literatur überhaupt sei therapeutische Biographie"arbeit". Sie glauben, alles, was ich hier schreibe, betreffe 1:1 meine Person (was gäbe es denn da zu erzählen?!?!). Ich kann also nicht mal eine bunte Paranoia oder eine gepflegte Edeldepression hier ausbreiten, ohne dass eine halbe Stunde später die Martinshörner losheulen und die Feuerwehr meine Balkontür aufbricht. Das ist lächerlich! Selbstverständlich bringe ich mich um. Aber doch nicht während der Arbeit (das tun nur Kapitalisten - ihre Arbeit ist ja auch nicht wichtig im Gegensatz zu meiner)! Ausserdem ist das ein Privatvergnügen, das ich der Welt bestimmt nicht unter die Nase reibe. Vielleicht hilft das Etikett gegen diesen Ich-mach-mir-solche-Sorgen-Quatsch (Zusatznutzen).
Hin und wieder wirds mit der Abgrenzung schwierig werden. Aber politische Pamphlete, Ärgerattacken, Halbessayistisches, Inquietüden, Fotos, Fremdzitate - da dient das Blog manchmal als Blitznotizableiter. Fetzen, die aufgrund ihrer Gattung, Form oder Unausgegorenheit nicht ins opus proper gehören, die kriegen kein Etikett. Eben ein Pilotversuch, vielleicht hilfts auch nicht und dann können wirs wieder wegzaubern, die meisten Labels verschwinden schliesslich wieder.

Das Etikett (mangels Scanner, mangels Agentur) sieht (vorläufig) so aus:

0000=00=0=00
littirzirtifizirt!
00==00000000

Es zeigt stilisiert eine antike öffentliche Toilette; oben links thront ein Liebespaar, unten rechts trifft sich eine politische Partei zur Debatte, dazwischen tummeln sich ein paar Eigenködler auf dem Donnerbalken; oben, zweiter von rechts: ein kriegsversehrter Einbackiger.

Addendum: eine der wichtigsten Labelfunktionen ist natürlich die Verwirrungsstiftung. Ich könnte jetzt ein gewaltiges Chaos unter Selbstmordgegnern auslösen, allein indem ich etikettiere oder eben nicht. Oder ich könnte aus der Zeitung abtippen; dank Etikett würde jeder glauben, es sei Literatur, und deshalb weniger zahlen als für die Zeitung.
Pituffik

Notizen aus Kangerlussuaq

Das Postamt, der Atlas, die Seekarten.


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La Tortuga - 6. Nov, 20:39
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tja - 6. Nov, 15:59

Hohler Stein steht den Tropfen.

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